Mit 21 ist Julia Mutter geworden – das hat auch etwas mit ihrem Freundeskreis gemacht. Psychologin Ulrike Schneider-Schmid erklärt aus ihrer Sicht, was ein kleines Kind verändern kann.

Mit der Schwangerschaft hätten die Veränderungen angefangen, sagt Julia, Mutter eines kleinen Jungen. Feiern und Partys wären wegfallen und mit der Geburt sei sie als Mutter noch weniger flexible gewesen.

Freundin und Mutter – kein leichter Spagat

Die Art und Weise, wie sie Zeit mit Freundinnen und Freunden verbringe, habe sich stark geändert. Manche ihrer Freundinnen hätten sich Zeit genommen und auf gemeinsame Aktivitäten mit Baby eingestellt, andere Freundinnen habe sie fortan weniger zu Gesicht bekommen.

Julia Hagen
© Julia Hagen
Julia hat mit 21 Jahren ihr Kind bekommen

Anfangs sei es schon anspruchsvoll gewesen, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Nicht selten habe sie dabei vergessen, auch auf sich selbst zu achten. Irgendwann hat sie sich jedoch gefragt: "Was ist da eigentlich mit mir?"

"Es ist anspruchsvoll gewesen, allen gerecht zu werden. Und meistens wurde ich mir dann am wenigsten gerecht – mehr meiner Freundin oder meinem Kind."
Julia

Freundschaften hätten für Julia heute einen ganz anderen Wert, sagt sie. Eine der schönsten Erfahrungen, die ihre Mutterschaft in Verbindung mit Freundschaften gebracht hätte, sei, dass echte Freundschaften bleiben – auch, wenn das eigene Leben ein komplett anderes sei als vorher. Julia achtet aber auch darauf, Zeit mit ihren Freundinnen ohne Kind zu verbringen. Um der Freundschaft eine andere Qualität zu geben, aber auch, um sich selbst eine freie Zeit zu geben, sagt sie. Für Julia ist es wichtig, Mutter zu sein, aber sich selbst nicht zu vergessen.

"Was nimmt Julia jetzt für eine Rolle ein? Ich glaube, dass das durchaus herausfordernd war für meine Freundinnen."
Julia

Doch auch für ihre Freundinnen hätten sich Perspektiven und Rollen geändert, sagt Julia. Hier zum Beispiel die Frage, welche Rolle Julia jetzt in ihrer Freundschaft einnehme – die ehemals verlässlichen Party-Kumpanin, die jetzt andere Bedürfnisse hat.

Freundschaften werden auf eine harte Probe gestellt

Kinder zu bekommen, sei eine wahnsinnige Lebensveränderung, ein Ereignis, welches das Leben wirklich komplett auf den Kopf stelle. Freundschaften können dabei auf eine harte Probe gestellt werden, sagt die Psychologin Ulrike Schneider-Schmid, selbst Mutter von drei Kindern. Werdende Mütter würden sich aus ihrer Erfahrung anfangs mehr Gedanken über Heizstrahler und Wickeltische machen und weniger über ihre Freundschaften, doch die sozialen Aspekte seien unfassbar wichtig.

"Es ist eine wahnsinnige Lebensveränderung, ein Ereignis, das das Leben wirklich komplett auf den Kopf stellt und oftmals auch Freundschaften auf einer harte Probe."
Ulrike Schneider-Schmid, Psychologin

Die Freundin kommt vorbei, ich backe einen Kuchen, es wird ein Glas Kaffee und Sekt zusammen getrunken und dann erfreue man sich gemeinsam am Baby, das hübsch daliege und schlafe – diese Vorstellung sei bei manchen Müttern eine Erwartung, mit der auch die Psychologin bei ihrem ersten Kind falsch gelegen hat, sagt sie. Anfangs sei sie irritiert gewesen, dass manche Freundinnen sich stattdessen zurückgezogen hätten.

Freundschaft: Gemeinsame Vereinbarungen schon vor der Geburt

Soll eine Freundschaft erhalten bleiben, dann sei es wichtig, bereits im Vorfeld darüber zu sprechen und Vereinbarungen über die Freundschaft zu treffen, sagt Ulrike. Denn klar sei, mit der Mutterschaft verändere sich einiges. So werde es mit Sicherheit weniger Zeit und Telefonate geben, aber es können neue Rituale in der Freundschaft entstehen.

Ulrike Schneider-Schmid
© Richard Strozynski
Ulrike Schneider-Schmid, Psychologin

Dazu zähle auch, mit Freunden zu sprechen, die aus welchen Gründen auch immer, vielleicht gar keine Lust auf Kinder-Inhalte in Gesprächen oder bei Whatsapp hätten. Es sei völlig legitim, das so zu sehen und anzusprechen, sagt die Psychologin.

Möglicherweise führe das anfangs, wo sich bei Müttern alles um das Baby drehe, zu einer Distanzierung. Doch solche Phasen würden vorbeigehen und ist das Kind erst mal im Kindergarten oder in die Schule, sei wieder Raum und Zeit, sich anzunähern – sogar nach Jahren der Distanzierung sei das möglich. Aber auch hier gelte: Darüber könne gesprochen werden, schon bevor das Baby auf der Welt sei.

"Eine Wiederannäherung, manchmal auch nach Jahren der Distanzierung, ist möglich."
Ulrike Schneider Schmid, Psychologin

Generell gelte: Qualitativ hochwertige Freundschaften zu haben und zu behalten, sei im Prozess des Erwachsenwerdens enorm wichtig und einer der Schlüsselfaktoren für unser Wohlbefinden, sagt Ulrike.

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In diesem Beitrag enthaltene Kapitel:
  • Julia, ist Mitte 20, Freundin und Mutter
  • Ulrike Schneider-Schmid, Psychologin
  • Ab 21
  • Moderatorin:  Shalin Rogall
  • Gesprächspartnerin:  Julia, junge Mutter
  • Gesprächspartnerin:  Ulrike Schneider-Schmid, Psychologin