Der aktuelle Teilbericht des Weltklimarats zeigt: Die Folgen des Klimawandels sind noch dramatischer als vor acht Jahren angenommen. Jetzt geht es darum, dass wir unser Handeln verändern, dem entgegensteuern und auch dass wir uns an den Klimawandel anpassen.

Im Sommer 2021 galt der erste Teil des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC als drastischer Weckruf. Dieser machte klar: Schon im Jahr 2030 könnte die Erwärmung der Erdatmosphäre um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erreicht sein. Aktuell liegt die Erderwärmung bei etwa 1,2 Grad.

Mehr als die Hälfte der Menschheit extrem vom Klimawandel bedroht

Nun hat der Weltklimarat den zweiten Teil veröffentlicht. Der über 3600 Seiten lange Teilbericht beschäftigt sich mit den Folgen des Klimawandels für uns Menschen und wie wir der weiteren Erderwärmung gegensteuern beziehungsweise uns daran anpassen sollten.

Der Weltklimarat macht deutlich: Der Klimawandel schreitet insgesamt stärker voran als 2014 erwartet und geht auch von deutlich stärkeren Folgen aus als noch vor acht Jahren.

Hitze, Extremwetter, zerstörte Natur

Die Folgen sind unter anderen:

  • Hitzewellen, die zu Zehntausenden Todesfällen, Dürren oder Ernteausfällen führen
  • Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen durch starke Regenfälle
  • Zerstörung der Natur wie absterbende Wälder und Korallenriffe
  • Anstieg des Meeresspiegels, weil die Gletscher weiter schmelzen
"Fast alle Korallenriffe werden vermutlich in den nächsten Jahrzehnten absterben."
Georg Ehring, Dlf-Umweltredaktion

Mehr als die Hälfte der Menschen weltweit wohnt in stark vom Klimawandel bedrohten Regionen. Besonders hart werden die Folgen des Klimawandels dort sein, wo Armut und die Klimaerwärmung aufeinandertreffen, sagt Georg Ehring aus der Dlf-Umweltredaktion. Das sind einige Teile Afrikas, Südostasiens, Lateinamerikas und auch Europas.

Denn: Im Vergleich zum globalen Durchschnitt erwärmt sich Europa schneller. Das betrifft vor allem die südlichen Teile Europas. Auf anderen Kontinenten werde sich der Klimawandel kurzfristig stärker zeigen.

Gegensteuern und Anpassen

Damit wir das 1,5-Grad-Ziel nicht überschreiten und der Erderwärmung entgegensteuern, ist die Reduzierung von CO2-Emissionen entscheidend.

In Bezug auf das Anpassen an die Klimawandelfolgen wird deutlich, dass wir dazu eine intakte Natur benötigen oder anders gesagt: Wir die Natur schützen müssen. "Wenn die Natur erhalten wird, dann können wir die Folgen besser abpuffern", erklärt Georg Ehring.

Das ist vor allem für Städte entscheidend. Denn: Bäume und andere Pflanzen dämmen die Temperaturerhöhung ein. Davon bräuchte es mehr in Städten in Form von Parkanlagen, begrünten Plätzen, Fassaden und Dächern. Bislang sind Städte durch den vielen Beton regelrechte Hitzeinseln. An den Küsten in Deutschland werden stattdessen Deiche gebaut werden müssen, um die Gegend vor dem steigenden Meeresspiegel und Fluten zu schützen.

"Was am dringendsten getan werden muss, ist einiges."
Georg Ehring, Dlf-Umweltredaktion

Psychosoziale Folgen

Wenn es darum geht, sich an den Klimawandel anzupassen, geht es auch um die psychosozialen Folgen. Neben Krankheiten wie Infektionskrankheiten oder Mangelernährung, die mit der steigenden Erderwärmung häufiger werden, geht der Teilbericht auch auf Folgen für die mentale Gesundheit ein wie die Klimaangst und auch auf psychische Folgen durch Verluste wie den des eigenen Zuhause.

Daher sei es beim Anpassen an den Klimawandel notwendig, auch das Netzwerk der medizinischen Versorgung, in dem Fall Psychologen und Therapeutinnen, auszubauen.

Das ist nur eine Maßnahme, auf die der Teilbericht auf den über 3600 Seiten eingeht. Man muss sehr viel machen, sagt Georg Ehring. Ein paar Schritte seien schon umgesetzt – insgesamt müsse der Prozess aber deutlich intensiviert werden.

Damit wir auch auf allen notwendigen Ebenen handeln, schlägt die Wissenschaftsplattform Klimaschutz, ein Beratergremium der Bundesregierung, Bürgerdialoge vor. Die sollen mehr zum Austausch auf Augenhöhe führen statt zu Top-Down-Politik.

In den nächsten Woche folgt der dritte Teil des sechsten Sachstandsberichts. Im November 2022 findet die nächste Weltklimakonferenz statt.