Wie können wir uns an den Klimawandel anpassen und vor allem - unser Handeln verändern? Die Wissenschaftsplattform Klimaschutz schlägt der Bundesregierung vor, Bürgerdialoge einzusetzten, statt eine Top-Down-Politik zu betreiben.

Es gibt einige Beispiele, bei denen eine Bürgerbeteiligung bereits erprobt wird wie in der Lausitz. Dort liegt ein großes Gebiet, in dem Braunkohle abgebaut wird. Geplant ist, bis 2030 aus der Braunkohle auszusteigen. Die Region ist jedoch stark mit der Braunkohleindustrie verwoben. Die Menschen vor Ort sollen durch die Bürgerbeteiligung mehr in den Transformationsprozess eingebunden werden.

Bürgerbeteiligung in der Lausitz

Eine Studie von Transformationsforschern in Potsdam etwa hat gezeigt: Vieles, was bisher in der Lausitz passiert ist, wurde als von oben herab empfunden. "Das soll jetzt besser laufen. Es gibt sogenannte Zukunftswerkstätten – und da sind Initiativen, Vereine oder Betriebe aus der Region mit an Bord," berichtet Deutschlandfunk Nova-Reporterin Kathrin Kühn.

"Wenn man genau hinschaut: Wirklich problemlos läuft das nicht."
Kathrin Kühn, Deutschlandfunk Nova-Reporterin

Ursprünglich war geplant, wirkliche Bürgerräte in der Lausitz zu entwickeln. Diese Räte sollten dann etwa vor kritischen Entscheidungen in den Kommunen zusammenkommen können. "Das ist dann im Sande verlaufen", sagt Kathrin. Es gibt jedoch auch Unterschiede in der Region: Im brandenburgischen Teil der Lausitz läuft es mit der Beteiligung offenbar besser als im sächsischen Teil.

Das Beispiel der Lausitz zeigt, dass es alles andere als einfach ist, Bürgerräte oder eine andere Art von Bürgerbeteiligung erfolgreich zu etablieren. Dennoch schlägt das Beratergremium der Bundesregierung – die Wissenschaftsplattform Klimaschutz – vor, dass es solche Initiativen nun in ganz Deutschland geben soll, um Handlungsempfehlungen zum Klimaschutz besser umzusetzen. Nur so ließen sich die teilweise sehr unterschiedliche Perspektiven auf Veränderungen nachvollziehen.

Unterschiedliche Perspektiven auf den Wandel

Am Thema Verkehrswende lässt sich dieser schwierige Umgang mit Veränderungsprozessen beobachten. Es gibt eine starke Polarisierung zwischen Autofahrenden und Menschen, die mehr Rad und öffentliche Verkehrsmitteln nutzen wollen. Geht es um Maßnahmen, den Radverkehr auszubauen und den Autoverkehr zurückzudrängen, fühlen sich manchen vor den Kopf gestoßen, während andere dafür sind.

Deshalb ist es wichtig, die verschiedenen Perspektiven zusammenzubringen und für einen Austausch zu sorgen. "Für viele Menschen gehört das eigene Auto nach wie vor zu einem guten Lifestyle dazu. So einen Wert kann man nicht plötzlich abschaffen. Aber ein Austausch darüber, das ist ein wichtiger Schritt", sagt Kathrin Kühn.

"Etwas sehr Wichtiges: Der Austausch in solchen Runden muss klappen."
Kathrin Kühn, Deutschlandfunk Nova

Damit eine Bürgervertretung von einer breiten Masse wirklich ernstgenommen werde, müssen möglichst vielfältige Meinungen vertreten sein. Auch das sei in der Umsetzung alles andere als einfach. Zum Beispiel könnte es für Schichtarbeitende oder für Alleinerziehende schwierig sein, an abendlichen Treffen teilzunehmen. Auch die Frage, wie Diskussionen auf Augenhöhe zwischen sehr unterschiedlichen Vertreter*innen der Gesellschaft funktionieren können, ist noch nicht abschließend beantwortet.

Ein mächtiger Hebel für Veränderungen

Bürgerdialoge sind nicht ganz einfach zu organisieren. Aber wenn es klappt, kann dadurch viel erreicht werden, sagt Kathrin Kühn: "Weil aus solchen Runden auch Multiplikatoren entstehen können, die das zu ihren Freunden oder Familien tragen." Aus der Nachhaltigkeits- und Konfliktforschung sei bekannt: Multiplikatoren und Multiplikatorinnen können ein mächtiger Hebel sein. Vor allem wenn es darum geht, Veränderungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu verankern.