Wer eine Ausbildung beginnt, macht sie noch lange nicht zu Ende. Besonders hoch ist die Abbrecherquote bei Friseuren, Köchen, Sicherheits- und Restaurant-Fachkräften.

Die Süddeutsche Zeitung hat vorab einen Blick in den Berufsbildungsbericht werfen können, den das Bildungsministerium jedes Jahr vorlegt. Daraus geht hervor, dass im Jahr 2016 insgesamt 146.000 Ausbildungsverträge aufgelöst wurden. Das entspricht einer Abbrecherquote von 25,8 Prozent über alle Ausbildungsberufe hinweg.

Besonders hoch ist diese Quote bei Sicherheitsfachkräften. Dort beenden nicht mal die Hälfte der Azubis ihre Ausbildung. Ähnlich sieht es aus bei Köchen, Restaurant-Fachkräften und Friseuren. Bei Fachangestellten in der Verwaltung hingegen brechen nur vier Prozent ab.

Schichtarbeit, verplante Wochenenden, schlechte Chefs

Die Gründe für das Abbrechen der Berufsausbildung sind sehr unterschiedlich. Einer der Gründe: Die Azubis hatten völlig falsche Vorstellungen von ihrem Traumberuf. Schichtdienst und Wochenendarbeit sind auch nicht so beliebt. Und manchmal liegt es auch daran, dass Chefs gar nicht so richtig wissen, wie sie mit Lehrlingen umgehen sollen und keine vernünftige Ausbildungsstruktur im Betrieb anbieten.

Wenig Geld, viele Abbrecher

Aus Sicht der Ausbildungsbetriebe klingt das natürlich anders. Die sagen, die Lehrlinge seien unreif, nicht motiviert genug oder könnten sich im Betrieb nicht unterordnen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat einen anderen Zusammenhang ausgemacht: Da, wo besonders wenig bezahlt wird, ist die Abbrecherquote besonders hoch. Es gibt Lehrlinge, die können sich die Ausbildung einfach nicht leisten, weil das Geld nicht reicht.

Ausbildungsgehälter im 1. Lehrjahr im Vergleich

  • Friseure: ca. 200 - 400 Euro im Monat
  • Koch-Azubi: ca. 450 Euro (z.B. in Sachsen-Anhalt)
  • Versicherungskaufleute, Industriemechaniker: ca. 1000 Euro

Der DGB fordert jetzt die Bundesregierung auf zu handeln. Was jetzt kommen müsse, sei ein Mindestlohn für Lehrlinge. Der steht auch im Koalitionsvertrag - anvisiert für Anfang 2020. Wirtschaftsverbände sind allerdings dagegen. Sie wollen sich nicht reinreden lassen, wie viel Lehrlinge bezahlt bekommen sollen.

Mehr zum Thema bei Deutschlandfunk Nova: