Zehn oder mehr Arbeitsverträge in einem Jahr? Das ist in Italien gerade ganz normal, sagt Samantha Saccone. Man findet zwar Jobs, aber das sind in der Regel Minijobs oder Jobs mit einer Befristung von wenigen Monaten. Feste Jobs mit langfristigen Verträgen sind dagegen selten geworden.

Auch die Italienerin Samantha Saccone hatte in der Vergangenheit vor allem Minijobs. Und eine Freundin, mit der sie zusammen den Master gemacht hat, arbeitet aktuell bei drei verschiedenen Firmen – eine davon ist ein Schuhladen. Natürlich hat Samatha Saccone nichts gegen Jobs in Schuhläden, aber dafür benötigt man kein Studium.

"Das war nicht das, was meine Freundin vor hatte. Das ist traurig, dass sie studiert hat und am Ende viele verschiedene Jobs haben muss, nur um die Miete zahlen zu können."
Samantha Saccone, lebt und arbeitet seit 5 Jahren in Deutschland

Auch wer nicht studiert hat, findet nur schwer einen Job. Eine Freundin, die bei der Post gearbeitet hat, hatte innerhalb eines Jahres zehn Arbeitsverträge unterschrieben. Manche Verträge waren sogar nur für eine Woche. Eine Aussicht auf die Sicherheit durch Festanstellung hat sie nicht. Zwei Jahre hat der Zustand angehalten. 

Mit 30 noch bei den Eltern wohnen

Weil die Lage am Arbeitsmarkt so unberechenbar ist, wohnen viele Italiener noch bei den Eltern. Auch noch mit 30 Jahren. Kein erstrebenswerter Zustand, findet Samantha Saccone. 

"Du hast keine Sicherheit, kein Geld - du bist aber erwachsen geworden, hast studiert, vielleicht einen Master, aber du hast keine Möglichkeit ein normales Leben zu führen. Das ist ganz schlimm."
Samantha Saccone, lebt und arbeitet seit 5 Jahren in Deutschland

Viele junge Italiener wandern deshalb innerhalb Europas aus: Nach Deutschland, England, Frankreich, oder in die Schweiz. Gerade wenn man studiert hat, sagt Samantha Saccone, versucht man alles. Denn schließlich hat man einen Traum.

Die Ursachen sieht Samantha Saccone in der Krise der letzten Jahre. Die Firmen hätten angefangen, nicht mehr einzustellen. Dafür hat sich die Arbeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereits feste Verträge hatten, verdichtet. Sie müssen Überstunden machen. Auch in der Nacht, sagt Samantha Saccone, das sei in Italien normal. Dass sich die Situation bald verbessert, glaubt die Italienerin nicht. Auch nicht nach der Wahlen am 4. März 2018.

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