Trotz EU-Initiative für Berufseinsteiger finden nur wenige junge Menschen in Spanien einen Job. Viele von ihnen verlassen das Land.

In Sachen Jugendarbeitslosigkeit liegt Spanien in der EU auf dem zweiten Platz. Nur in Griechenland sieht es für Berufseinsteiger noch schlimmer aus. Die sogenannte Jugendgarantie der EU soll ihre Chancen verbessern. 

Für Spanien hat die Europäische Kommission 1,9 Milliarden Euro bereitgestellt, um das Problem der Jugendarbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. Die Hälfte der Mittel sind in die Jugendgarantie geflossen.

"Es ist ein Programm, das sich an junge Spanier zwischen 16 und 30 richtet. Jene, die weder arbeiten noch studieren, sollten wissen, dass es sich lohnt, dort teilzunehmen. Es gibt Fortbildungs- und Jobangebote."
Carmen Cassero, Generaldirektorin im spanischen Arbeitsministerium

Die EU-Beschäftigungsinitiative für Berufseinsteiger gibt es seit drei Jahren. Mit ihr garantieren die EU-Mitgliedsstaaten Menschen unter 25 innerhalb von vier Wochen in eine Beschäftigung, eine Ausbildung, eine Fortbildung oder ein Praktikum zu vermitteln. 585.000 Menschen nehmen daran aktuell teil - doppelt so viele wie noch im vergangenen Jahr.

Wo die jungen Spanier beschäftigt sind und wie genau sie von dem Programm profitieren, ist allerdings unklar. Wer einen Job bekommt, muss mit wenig Gehalt auskommen und mit heftigen Fristen: 90 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge sind befristet - auf Monate, Wochen oder sogar Tage.

"Es bleibt ein Verlust an Humankapital, das wir hier ausgebildet und mit unseren Steuern bezahlt haben. Wir können es für Spanien nicht nutzbar machen."
Victor Reloba vom spanischen Jugendrat

Die spanische Regierung erntet für ihre Umsetzung der Initiative viel Kritik: "Die Arbeitsämter sind unterbesetzt. Eine persönliche Betreuung fehlt", sagt Victor Reloba von spanischen Jugendrat.

"Hunderttausende Jugendliche wandern immer noch aus. Manchmal um eine Arbeit zu finden, die ihrer Ausbildung entspricht, manchmal ist es aber auch ein Abenteuer - im negativen Sinne."
Victor Reloba von spanischen Jugendrat

Die EU-Kommission lobt die Anstrengungen der Spanier. Tatsächlich ist die Zahl der Arbeitslosen zwischen 16 und 30 Jahren zurückgegangen - ob die Jugendgarantie daran aber einen großen Anteil hat, ist umstritten. 

Der Frust hingegen bleibt ungebrochen: Für eine junge Youtuberin, die sich mit vierzig anderen Bewerbern vergeblich auf eine "garantierte" Stelle bewarb, ist klar:

"Das Einzige was ihr schafft, liebe Ausbilder und Beamte des Bildungsministeriums: Dass wir – die für unsere Zukunft kämpfen – ins Ausland gehen müssen. Das nächste Video von mir kommt mit Sicherheit aus einem Flugzeug, denn ich bin dieses System leid."