Die französische Fremdenlegion gilt als eine der härtesten Militäreinheiten weltweit. Obwohl sie nicht den besten Ruf hat, und die Einsätze oft sehr gefährlich sind, zieht sie Jahr für Jahr tausende Bewerber an. Unser Reporter Gerwald Herter hat das Hauptquartier der Eliteeinheit im französischen Aubagne besucht und mit den Legionären gesprochen. 

Seit bald 200 Jahren gibt es die französische Fremdenlegion schon. Heute dienen dort Söldner aus mehr als 140 Nationen. Für ein fremdes Vaterland riskieren sie ihr Leben - traditionell nämlich ist die Eliteeinheit des französischen Heeres oft dort im Einsatz, wo es am gefährlichsten ist: in Bosnien etwa oder Afghanistan, derzeit auch in Mali bei der Terrorbekämpfung. Aber auch im französischen Inland sind sie bei der Terrorabwehr aktiv, was in der Vergangenheit schon für massive Kritik gesorgt hat.

Kämpfen für ein fremdes Land

Zurzeit hat die Fremdenlegion etwa 9000 Legionäre, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Gerwald Herter. Rund 40 Prozent stammen aus Südost- oder Osteuropa, derzeit bewerben sich aber auch viele Männer aus Nepal oder Brasilien. Die Legion hat etwa acht Mal mehr Bewerber als offene Stellen, weiß er. Dieses Jahr will die Einheit 1500 Soldaten einstellen

"Befehle zu befolgen, steht an erster Stelle."
Unteroffizier der Fremdenlegion (aus Sicherheitsgründen anonym)

Bewerben kann sich im Grunde jeder, der fünf Klimmzüge schafft und einen äußerst harten Lauftest meistert - militärische Vorerfahrung ist häufig und von Vorteil, aber nicht zwingende Voraussetzung. Genauso wenig wie ein Schul- oder Berufsabschluss. Ganz wichtig, so erzählt ein Unteroffizier unserem Reporter, ist Gehorsam: "Wir müssen unsere Aufgabe erfüllen. Das verlangt extreme Opfer", die persönliche Meinung dürfe da keinen Platz haben.

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Theoretisch können sich auch Frauen bei der Fremdenlegion bewerben. Praktisch kommt das aber kaum vor. Frauen hat unser Reporter im Hauptquartier nur selten gesehen. Wenn, dann sind es Spezialistinnen, wie etwa Medizinerinnen, die über die französische Armee kommen, zu der die Fremdenlegion gehört.

Motiv für Legionäre: sichere Existenz und Neuanfang

Eine Motivation für die meisten Bewerber ist die finanzielle Sicherheit, die der Dienst in der Fremdenlegion bietet. Mit 1300 Euro Einstiegsgehalt plus Zulagen, zum Beispiel für Auslandseinsätze, ist der Sold für viele attraktiv. Außerdem erhoffen sich manche auch einen Neuanfang, berichtet Gerwald. Denn wer sich für fünf Jahre verpflichtet, hat Chancen, danach einen französischen Pass zu bekommen - allerdings keine Garantie. Und: Wer genommen wird, erhält einen neuen Namen und ist, zumindest im ersten Jahr, vor Behördenanfragen geschützt.

Genau das ist es auch, was den schlechten Ruf der Einheit mit befördert hat: Die Möglichkeit, seine Identität zu wechseln, zieht auch Menschen an, die genau das nötig haben - weil sie etwas verbrochen haben. In der Vergangenheit gehörten Schwerstkriminelle zur Einheit, nach dem zweiten Weltkrieg etwa auch viele ehemalige Mitglieder der deutschen und französischen Waffen-SS. 

"Schwerstkriminelle Leute, die es mit Drogen oder Mord und Totschlag zu tun hatten, nimmt die Legion nicht. Aber die genauen Kriterien teilt sie nicht mit."
Gerwald Herter, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Heute soll das nicht mehr der Fall sein. Die Bewerber werden im ersten Jahr auch geheimdienstlich untersucht, erklärt Gerwald. Die genauen Kriterien liegen aber nicht offen, ergänzt er, kleinere Delikte seien möglicherweise kein Hindernis. Und wenn die Fremdenlegion sich ihm gegenüber bei seinem Besuch im Hauptquartier in Aubagne auch erst mal recht offen gibt – als er die Waffen-SS und auch Kriegsverbrechen der Legion in der Vergangenheit anspricht, beschwert sich ein Offizier über ihn, und er wird zur Rede gestellt. Solche Fragen sind bei der Fremdenlegion offenbar dann doch nicht gerne gesehen.

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