Die Bundeswehr hat zu wenig Personal. Eine Variante: Reservisten in Wochenendkursen ausbilden. Das Problem: Weil diese Ausbildung nur halb lange dauert wie eine normale, lernen die Soldaten vieles nicht.

Die Bundeswehr hat kaum Hubschrauber, die fliegen, keine U-Boote, die tauchen, zu wenige Soldaten - und zu wenige Reservisten. Karsten Ahrens, der Landesgeschäftsführer des Berliner Reservistenverbandes will deshalb mit Wochenendkursen neue Soldaten gewinnen.

Der Reservistenverband bietet einen Kurs an, in dem jedermann innerhalb von einem Jahr an 13 Wochenenden eine rudimentäre militärische Ausbildung bekommt. Das soll ganz explizit Leute ansprechen, die bisher nichts mit der Bundeswehr zu tun hatten.

Das kann man dabei lernen: 

  • Marschieren
  • Erste Hilfe
  • militärisches Grüßen
  • Schießen (am Sturmgewehr)

Die meisten Ausbildungsteile übernehmen Reservisten, die mindestens zwölf Jahre Soldaten gewesen sind. Die Bundeswehr stellt die Waffen, die Schießbahnen und das Personal für die Schießausbildung.

Im Endeffekt ist das eine ziemlich schmale Ausbildung, findet Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Schütz. Dabei wird zum Beispiel auch auf das verzichtet, was bei regulären Soldaten gerade am Anfang ihrer Dienstzeit oft auf dem Programm steht: Drill und der Anpfiff der Ausbilder.

Personalmangel drängt zur Eile

Die Wochenendsoldaten üben halb so viel wie normale Bundeswehrrekruten. Zum Vergleich: Wer Zeit- oder Berufssoldat wird, ist Vollzeitsoldat, hat zwei bis drei Monate eine allgemeine Grundausbildung und dann noch ein bis zwei Monate eine zusätzliche, spezialisierte militärische Ausbildung.

Martin Schütz: "Wer bei einer Fallschirmjägereinheit ist, hat dann erst gelernt, wie ein Fallschirm funktioniert und ist dann auch erst aus einem Flugzeug gesprungen."

Grund für die Schnellausbildung ist die Personalsituation der Bundeswehr. Im Bericht des Wehrbeauftragten der Bundeswehr steht, die Lage sei extrem angespannt, mehr als 21.000 Stellen für Unteroffiziere und Offiziere sind demnach nicht besetzt. Und einige dieser Jobs könnten auch Reservisten übernehmen. Zum Beispiel in einer der "Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien", sie unterstützen etwa bei Naturkatastrophen.

Die Voraussetzungen für Kurzentschlossene

Die Bedingungen sind: 

  • Deutsche Staatsbürgerschaft
  • Fitnesstest
  • Sicherheitsprüfung durch den Militärgeheimdienst (dadurch soll verhindert werden, dass Extremisten eine militärische Ausbildung bekommen.)
"Wenn man sich die Ausbildungszeiten bei Bundeswehr und Reservistenverband im Vergleich anguckt, dass das noch nicht mal die Hälfte ist, dann will ich wissen: was wird nicht ausgebildet?"
Tobias Lindner, Verteidigungspolitiker, Bündnis 90/Die Grünen

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