• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

May Ayim, Pionierin der afrodeutschen Community, kämpfte als Dichterin und Aktivistin für die Sichtbarkeit Afrodeutscher, aber auch an der Uni. Damit hat sie schwarzen Akademikerinnen und Akademikern nach ihr den Weg geebnet. In dieser Hörsaal-Ausgabe sprechen "Erbinnen" Ayims: Ayasha Guerin, Savannah Sipho, Mariela Georg und Natasha Kelly.

May Ayim in der WDR-Sendung "B. trifft..." im Jahr 1996
© WDR (B. trifft..., 1996)
May Ayim trägt in der Sendung "B. trifft..." ihr Gedicht Nachtgesang vor. (WDR 1996)

In Ermangelung einer positiven Selbstbezeichnung prägten May Ayim und ihre Weggefährtinnen in den 80ern die Begriffe "Afrodeutsche" und "Schwarze Deutsche". Es galt und gilt Worte zu finden für Dinge, die sonst unsichtbar bleiben würden, erklärt sie später. Das Ziel: Die Sichtweise auf Rassismus, Sexismus und Identität zu verändern.

"Die Sprache, um über Rasse in Deutschland zu sprechen, muss noch von der weißen, deutschen Perspektive befreit werden."
Ayasha Guerin, Künstlerin, Kuratorin und Professorin (University of British Columbia, Kanada)
Ayasha Guerin
© privat
Ayasha Guerin

In ihrem Vortrag "Die Sprache, die wir wählen", knüpft Ayasha Guerin - Professorin für American Studies an der University of British Columbia in Kanada, außerdem Künstlerin und Kuratorin – an diesen Gedanken an. Unter anderem argumentiert sie darin, den Begriff Rasse nicht aus dem Grundgesetz zu streichen.

Ich spüre die Schläge, die Risse, die Schmerzen meiner
Geschichte.
Und ich drohe zu zerbrechen, so wie sie…
Auszug aus Savannah Siphos Gedicht "Inspirational Ayim - Gazes that Matter"
Savannah Sipho
© privat
Savannah Sipho

Auch in Savannah Siphos Gedicht "Inspirational Ayim - Gazes that Matter" geht es unter anderem um Sichtbarkeit: die Sichtbarkeit afrodeutscher Geschichte und die Macht historischer Narrative. Diese Themen hat auch May Ayim unter anderem in ihrer Diplomarbeit bearbeitet, die in das bekannte Buch "Farbe bekennen" einfloss. Savannah Sipho ist Spoken-Word-Poetin und studiert Regionalstudien Afrika/Asien an der Humboldt-Universität zu Berlin.

"Die ständige Konfronta­tion mit weißer Normativität wird in der Seele als schmerzliche Erfahrung und Trauma gespeichert."
Mariela Georg, Antidiskriminierungsarbeiterin und Empowerment-Trainerin
Mariela Georg
© Monique Betz
Mariela Georg

Der Vortrag von Mariela Georg befasst sich mit den psychischen Folgen von Rassismuserfahrungen und Aktivismus. Sie hat einen Master in Personalentwicklung und Kommunikationsmanagement, einen Bachelor in Psychologie und arbeitet hauptberuflich in der Antidiskriminierungsarbeit. Außerdem ist sie freiberufliche Empowerment-Trainerin und Stresscoach und hat das Bundesfachnetz Gesundheit und Rassismus mitbegründet.

"Wellness ist politisch"

In ihrem Beitrag "Critical Wellness – Der Link zwischen politischem Aktivismus und Selfcare" stellt sie ihren Ansatz zur psychischen und physischen Gesundheit von schwarzen Menschen, Indigenen und People of Color vor. "Wellness ist politisch, weil es ein Privileg ist, das uns nie zugestanden wurde", sagt sie.

"Um gute Lösungsansätze finden zu können, muss in die Wissenschaft und Forschung von Black Studies investiert werden."
Natasha Kelly, Kommunikationssoziologin

Natasha Kelly ordnet die drei Vorträge in die Tradition der Liberal Arts und der schwarzen feministischen Theorie ein. Sie ist promovierte Kommunikationssoziologin, außerdem Kuratorin, Künstlerin und Autorin – sie selbst bezeichnet sich als akademische Aktivistin. Unter anderem setzt sie sich für die Etablierung von Black Studies in Deutschland ein und versucht, in akademischen und außerwissenschaftlichen Bereichen Räume für junge Schwarze zu schaffen.

Links das Cover des Buches "Sisters and Souls 2", rechts das Portrait der Herausgeberin Natasha Kelly
© Orlanda | Thabo Thindi
Natasha Kelly gibt anlässlich May Ayims 25. Todestages "Sisters and Souls 2" heraus.

Alle drei Beiträge finden sich in dem Sammelband "Sisters and Souls 2 - Inspirationen durch May Ayim" wieder, den Natasha Kelly anlässlich des 25. Todestages von May Ayim im Orlanda-Verlag herausbringt.

Hörtipp: Diese Sendung ist Teil eines ganzen Hörsaal-Wochenendes zu May Ayim. Im ersten Teil spricht May Ayim selbst: neben einem Porträt finden sich darin auch zwei Vorträge von ihr, die Alice Hasters vorträgt.

Du bist nicht allein! Bestimmte Dinge beschäftigen dich im Moment sehr? Du hast das Gefühl, in einer ausweglosen Situation zu stecken? Du bist betroffen von Gewalt? Hier findest du anonyme Beratungs- und Seelsorge-Angebote und eine Übersicht der Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

  • Hörsaal
  • Moderation:  Katrin Ohlendorf
  • Vortragende:  Ayasha Guerin (Künstlerin, Kuratorin und Professorin an der University of British Columbia, Kanada), Savannah Sipho (Spoken-Word-Poetin, studiert Regionalstudien Afrika/Asien an der HU Berlin) und Mariela Georg (Personalentwicklung und Kommunikationsmanagement M.A. und Psychologie B.Sc., derzeit hauptberuflich Arbeit in der Antidiskriminierungsarbeit, außerdem freiberuflich Empowerment-Trainerin und Stresscoach)
  • Gesprächspartnerin:  Natasha Kelly, Kommunikationssoziologin