• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Natasha Kelly ist die Rassismus-Debatte zu eindimensional. Wir würden nur auf individuelle Erlebnisse, nicht aber auf Strukturen schauen. Das muss sich ihrer Meinung nach dringend ändern.

"Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat die Rassismus-Debatte auf die individuelle Ebene reduziert", sagt Natasha Kelly. Dieser Aspekt sei auch wichtig, aber eben nicht ausreichend. "Nur, weil ich Rassismus-Erfahrungen mache, bin ich noch lange keine Expertin für Rassismus." Als promovierte Kommunikations-Soziologin, Aktivistin und Künstlerin will Kelly strukturellen Rassismus analysieren, die Mechanismen dahinter erklären und so schließlich die Gesellschaft verändern.

"Ich bin eine schwarze Wissenschaftlerin, die zu schwarzen Themen forscht. Und damit eine doppelte Bürde für die deutsche Wissenschaft."
Natasha Kelly, Kommunikations-Soziologin

Kelly beschäftigt sich mit Black Studies und hat den Sammelband "Schwarzer Feminismus" herausgegeben. "Es geht darum, Wissen aus schwarzer Perspektive zu generieren", sagt die Wissenschaftlerin, "was in Deutschland fehlt, ist die Betrachtung deutscher Geschichte aus einer schwarzen Perspektive." Dabei gehe die Geschichte schwarzer Menschen in Deutschland bis ins 11. Jahrhundert zurück. "Es gibt eine sehr lange deutsche schwarze Geschichte", sagt Kelly, "in Deutschland herrscht aber immer noch die Vorstellung, dass Deutsche weiß sind."

"Ich will nicht nur einen schwarzen Menschen irgendwo rumhüpfen sehen, sondern ich will unsere Geschichten erzählt wissen."
Natasha Kelly, Kommunikations-Soziologin

Für echte Veränderungen reiche es eben nicht aus, wenn an einzelnen Stellen der Gesellschaft zum Beispiel schwarze Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen oder Journalistinnen auftauchen würden. "Falsch verstandene Diversity führt eben nur zu Tokenism", sagt Kelly. Unter Tokenism versteht man eine oberflächliche oder symbolische Veränderung, die aber nicht die dahinter liegenden Strukturen beeinflusst. "Struktureller Rassismus braucht strukturelle Lösungen", sagt Natasha Kelly.

"Die Wiege des Rassismus steht in Europa."
Natasha Kelly, Kommunikations-Soziologin