Seit Februar 2021 befindet sich Myanmar offiziell im Ausnahmezustand. Das Militär hat die wiedergewählte Regierungschefin Aung San Suu Kyi abgesetzt. Es ist nicht das erste und auch nicht das zweite Mal, dass in Myanmar geputscht wird – eine Chronik.

Alles beginnt im November 2020. Bei den Parlamentswahlen erreicht Regierungschefin Aung San Suu Kyi zusammen mit ihrer Partei "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) einen Erdrutschsieg. Mehr als 80 Prozent der Stimmen gehen auf ihr Konto. Das Militär aber ignoriert dieses eindeutige Ergebnis und stellt die Behauptung auf, bei der Wahl sei betrogen worden.

Schwierige Verhältnisse bei Wahl 2020

Auch internationale Menschenrechtsorganisationen, wie etwa Human Rights Watch, kritisieren, dass rund eine Million Menschen nicht an den Wahlen hatten teilnehmen dürfen.

Sie beklagen, die Meinungsfreiheit im Wahlkampf sei eingeschränkt und die Corona-Pandemie zugunsten der NLD ausgelegt worden. Besonders die unterdrückte muslimische Minderheit der Rohingya hätte darunter zu leiden gehabt.

Militär verhängt Ausnahmezustand über Myanmar

Aung San Suu Kyi ist seit Jahren für viele Menschen in Myanmar eine Ikone, in ihren Augen hat die Politikerin das Land in die Demokratie geführt und das internationale Ansehen des Landes gestärkt. Der Militärführung sind diese Argumente egal.

Armeechef Min Aung Hlaing übernimmt am 1. Februar 2021 die Macht im Lande, lässt Aung San Suu Kyi festsetzen und verhängt über Myanmar den Ausnahmezustand. Binnen eines Jahres – so verspricht der international geächtete General – werde der Notstand aufgehoben und freie Wahlen würden den Weg zurück zur Demokratie frei machen.

Armeechef Min Aung Hlaing und Auung San Suu Kyi, damals Außenministerin und Regierungsberaterin, im Jahr 2016.
© picture alliance | dpa | Hein Htet
Armeechef Min Aung Hlaing und Aung San Suu Kyi, damals Außenministerin und Regierungsberaterin, im Jahr 2016.

Bevölkerung wehrt sich

Aber die Menschen gehen darauf nicht ein. Vom ersten Tag an protestieren Studierende, Beamte, Ärztinnen, Anwälte, Lehrerinnen und Influencer gegen die Militärmachthaber. Sie klagen, dass sie schon oft Gewalt und Diktatur erlebt hätten und dass es Zeit sei, mit dieser "schrecklichen Tradition" aufzuräumen.

Auch Monate später gilt immer noch eine Ausgangssperre, was Tausende Menschen veranlasst, auf ihren Balkonen und in geöffneten Fenstern auf Töpfe und Pfannen zu schlagen, um ihrem ungebrochenen Protest Ausdruck zu verleihen.

Demonstrant*innen in Yangon, Myanmar, machen eine Geste aus der Filmreihe "Hunger Games".
© IMAGO | ZUMA Wire
Ein Foto vom 13. Mai 2021: Demonstrant*innen in Yangon, Myanmar, machen eine Geste aus der Filmreihe "Hunger Games". Die Geste ist zu einem Symbol für den Protest in Myanmar geworden.

Die Putschs der Vergangenheit

Schon 1958 putschte das Militär im damaligen Burma, setzte Premierminister U Nu ab und erklärte den Notstand. Ähnliches wiederholt sich 1988, als mit Aung San Suu Kyi eine Frau während blutiger Aufstände ins Land zurückkehrt und im gleichen Jahr die "Nationale Liga für Demokratie" gründet. Sie wird unter Hausarrest gestellt und erlangt als inhaftierte Oppositionspolitikerin Weltruhm, 1991 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Myanmar-Experte Hans-Bernd Zöllner erläutert, warum immer wieder das Militär in Myanmar die Macht übernommen hat.
  • Der Journalist der Deutschen Welle, Rodion Ebbighausen, hat sich mit Aung San Suu Kyi beschäftigt und erklärt ihre Rolle in der Innenpolitik Myanmars.
  • ARD-Hörfunk-Korrespondent Holger Senzel gibt einen Überblick über die aktuelle Lage in Myanmar nach dem Putsch vom 1. Februar 2021.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt einige Stationen des Werdegangs des früheren Birma seit dem Ersten Weltkrieg.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Kristin Mockenhaupt erzählt die Geschichte des Militärputsches und des Widerstands gegen die neuen Machthaber.