Auf dem CDU-Bundesparteitag wurde Angela Merkels Nachfolge als Parteivorsitzende gewählt: Annegret Kramp-Karrenbauer hat die meisten Stimmen bekommen.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer löst Kanzlerin Angela Merkel als Parteivorsitzende ab. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin setzte sich auf dem CDU-Parteitag in Hamburg in einer Stichwahl gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch.

Kramp-Karrenbauer erhielt 51,7 Prozent der Stimmen, Merz 48,2 Prozent. Somit entfielen 517 der 999 abgegebenen gültigen Stimmen auf die Saarländerin, Merz kam auf 482 Stimmen. Kramp-Karrenbauer nahm die Wahl an und bedankte sich bei ihren beiden Konkurrenten Merz und Jens Spahn, der im ersten Wahlgang ausgeschieden war.

"Annegret Kramp-Karrenbauer wird ja nicht umsonst als Mini-Merkel bezeichnet. Die anderen beiden Kandidaten, vor allem Friedrich Merz, hätten da sicherlich eine größere Wende gebracht."
Svenja Krauss, Politikwissenschaftlerin
Angela Merkel umarmt die neue CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer
© dpa

Die Politikwissenschaftlerin Svenja Krauss sagt, dass die beiden anderen Kandidaten – also Friedrich Merz und Jens Spahn – eine größere Neuausrichtung der Partei gebracht hätten. Sie denkt aber auch, dass Annegret Kramp-Karrenbauer in irgendeiner Form versuchen wird, sich von Angela Merkel abzugrenzen.

Nächste Hürde: Kanzlerkandidatur

Sicherlich werde Annegret Kramp-Karrenbauer versuchen, ihr eigenes Profil zu schärfen, indem sie Angela Merkel in den kommenden Monaten auch mal Contra geben wird. Denn die nächste Hürde wird die Kanzlerkandidatur im Jahr 2021 sein. Zwar wird die Parteivorsitzende nicht automatisch Spitzenkandidatin bei der nächsten Bundestagswahl - sehr wahrscheinlich sei es aber doch, sagt Svenja Krauss.

Mathias von Lieben, Dlf-Haupstadtstudio, hat den Bundesparteitag der CDU begleitet
"Annegret Kramp-Karrenbauer - muss man sagen - wurde von vielen unterschätzt. Heute hat sie hier die Massen begeistert."

Unser Korrespondent Mathias von Lieben hat den Bundesparteitag der CDU in Hamburg verfolgt und sagt, Annegret Kramp-Karrenbauer sei sehr energisch und rhetorisch gut aufgetreten - damit habe sie wohl überzeugt. "Sie hat Mut gefordert für die Zukunft", sagt Mathias von Lieben. Die Herausforderung, vor der sie stehe, sei es, die Partei mit ihren verschiedenen Lagern zusammenzuhalten.

Keine Grabenkämpfe

Wie es nun weitergeht in der CDU, das muss man abwarten: Diejenigen, die sich einen kompletten Neuanfang wünschten, hätten vermutlich eher für Friedrich Merz gestimmt und darauf gehofft, dass er alles neu ausrichtet, sagt Politikwissenschaftlerin Svenja Krauss. Auf der anderen Seite gebe es aber eben auch diejenigen, die der Meinung sind, dass unter Merkel alles ganz gut gelaufen sei. "Aber es sind sicherlich keine gravierenden Grabenkämpfe, die da ausgeführt werden."

Die Politikwissenschaftlerin vermutet, dass sich nun vor allem die SPD ärgern wird, dass Annegret Kramp-Karrenbauer die Nachfolge von Merkel antritt - denn Friedrich Merz hätte für die Sozialdemokraten ein "besseres Feindbild" abgegeben. Schließlich muss auch die SPD darauf achten, ihre eigenen Positionen nach außen deutlich zu machen.

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