Seit 18 Jahren ist Angela Merkel CDU-Chefin. Ihr Erfolg war nicht geplant: Innerhalb der Partei musste sie gegen viele Vorurteile kämpfen. Die CDU wird ihre pragmatische und uneitle Art vermissen, sagt Politik-Journalistin Ulrike Winkelmann. Was von Merkels Politikstil bleibt, entscheidet sich auch mit ihrer Nachfolge.

Am 10. April 2000 wurde Angela Merkel zur CDU-Vorsitzenden gewählt. Sie hat den Job länger gemacht als Konrad Adenauer – nur Helmut Kohl war noch länger Chef der CDU. Morgen (7. Dezember 2018) steht der Posten zur Wahl: Merkel wollte nicht mehr antreten.

Merkel war extrem erfolgreich

Angela Merkel hat bis heute eine erstaunliche und sehr erfolgreiche politische Karriere hingelegt, dazu gehört auch ihr Aufstieg innerhalb der CDU. Und der war nicht einfach: Als sie 2000 zur CDU-Chefin gewählt wurde, trauten ihr viele Parteikollegen das Amt nicht zu. "Speziell von der CDU war man gewohnt, dass Jungs auf dicke Hose machten und einem die Welt erklärten", sagt Politik-Journalistin Ulrike Winkelmann. Sie hat Merkel über viele Jahre journalistisch begleitet.

Aber Merkel war anders. Sie trat anders auf und musste sich vielen Vorurteilen stellen, die Anfang der 2000er Jahre noch viel gängiger waren. "Klingt platt, aber das Thema war damals tatsächlich: Kann sich eine Frau mit einer solchen Frisur in der Politik halten", sagt Ulrike Winkelmann.

"Die Wahrnehmung von jüngeren Frauen in der Politik war damals noch stark sexistisch, glaube ich."
Ulrike Winkelmann, Dlf-Politik-Redaktion

Als Merkel zur Parteichefin gewählt wurde, da lag die CDU am Boden, so Ulrike Winkelmann. Man hatte 1998 die Wahl verloren: Rot-Grün regierte mit Gerhard Schröder als Kanzler. Im Jahr danach folgte die Parteispendenaffäre: Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl gab zu, entgegen den Regeln des Parteispendengesetzes hohe Spenden angenommen zu haben. Die Geldgeber wollte er nicht nennen.

Dass Merkel so mächtig wird, war nicht der Plan

Die Partei brauchte eine Atempause. Merkel wurde mit dem Kalkül gewählt, selbst gesetzte Quoten zu erfüllen. Denn sie war Frau und Ost-Deutsche. Dass sie später Kanzlerin wurde, war nicht der Plan. Die CDU wollte 2002 die Wahlen gewinnen und die Regierung stellen – aber mit Edmund Stoiber als Kanzler. Doch es kam anders und 2002 holte erneut Rot-Grün die Mehrheit.

Merkel blieb CDU-Chefin und prägte in den nächsten Jahren stark die Partei. Vor allem aber konnte sie neue Wählerschichten gewinnen.

"Dadurch, dass Merkel Wählerinnen- und Wählergruppen für die CDU erobert hat, hat sie natürlich auch die Inhalte verändert."
Ulrike Winkelmann, Dlf-Politik-Redaktion

Merkel zog weibliche Wähler, auch Wähler aus den neuen Bundesländern und mehr urbane, jüngere Menschen. Doch das ging nur, indem sich Inhalte verschoben – dieses Verschieben vergraulte wiederum Teile der CDU-Traditionswähler. Das sei relativ kaltherzig passiert, so Ulrike Winkelmann.

Merkel ist pragmatisch und uneitel

Wenn Merkel nun den Parteivorsitz abgibt, ist die Frage, wohin die CDU künftig steuert. Und sicherlich wird die Partei auch einiges vermissen, das sie an Merkel als Parteichefin hatte. Das sei vor allem ihr Pragmatismus, so Ulrike Winkelmann.

"Die CDU wird diesen großen Pragmatismus vermissen, der sich im Falle Merkels paart mit einer kompletten persönlichen Zurückgenommenheit."
Ulrike Winkelmann, Dlf-Politik-Redaktion

Aber Merkel zeichne nicht nur ihre pragmatische, sondern auch ihre uneitle Art aus, so Ulrik Winkelmann. "Man kann Merkel vieles vorwerfen, aber sie ist nicht eitel und sie ist nicht ehrpusselig". Merkel redet also nur, wenn es wichtig ist, und sucht nach Lösungen.

Mehr zum Thema: