Über 70 Piercings, unzählige Tattoos, eine gespaltene Zunge und ein schwarz gefärbter Augapfel – langweilig sieht Maria nicht aus. Aglaja Stirn forscht zu Bodymodifications. Beide sagen: Körperschmuck kann nicht nur ein Weg sein, dem eigenen Aussehen eine individuelle Note zu verleihen, sondern auch, die Psyche zu stärken.

Wer etwas an sich ändern will, hat viele Möglichkeiten: Für die einen reicht eine neue Frisur, die anderen spritzen sich Botox, und wieder andere lassen sich ihr Gesicht tätowieren oder die Zunge spalten.

"Ich unterscheide in meiner Arbeit zwischen konformen und non-konformen Bodymodfications. Konform entspricht dabei dem gängigen Schönheitsideal einer Gesellschaft."
Aglaja Stirn, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapeutin

Aglaja Stirn forscht zu Bodymodification und hat mit vielen Menschen über ihre extremen Körperveränderungen gesprochen. Wichtig dabei: Bodymodifications sind kein neues Phänomen, sondern haben in vielen Kulturen eine lange Geschichte – beispielsweise Tellerlippen oder abgebundene Füße in China. Bei diesen kulturellen Praktiken handelt es sich um die Ausdrucksform einer Gruppe und eben nicht die Stärkung der eigenen Individualität, wie etwa bei Maria.

Viele Gründe für Bodymodification

In ihrer Arbeit ist Aglaja Stirn unterschiedlichen Menschen begegnet, die individuelle Gründe dafür hatten, ihr naturgegebenes Aussehen zu verändern. Die Tattoos, Piercings oder anderen Bodymodifications können dabei eine Erinnerung an eine bestimmte Zeit oder Person sein, ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, manchmal geht es auch um Spiritualität oder Sexualität. Andere erzählten ihr, dass sie ihre Attraktivität steigern wollten. Und manche hatten auch eine Art Sucht entwickelt und ließen andauernd neue Modifications machen.

"Von keiner Entscheidung wissen wir, ob sie hundertprozentig richtig ist – egal ob Bodymodification oder alle anderen Entscheidungen im Leben."
Aglaja Stirn, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapeutin

Maria ist Tattoo-Artist und zeigt als Balea Scarleg auf verschiedenen Kanälen ihre Bodymodifications. Sie hat nicht nur Tattoos und Piercings, sondern auch eine gespaltene Zunge und einen schwarz gefärbten Augapfel. Was für einige unvorstellbar scheint, fühlt sich für Maria genau richtig an.

Ein Portrait von Maria Balea Scarleg
© von privat
Das Aussehen spielt für Maria eine weitaus geringere Rolle als andere von ihr denken.

Körperliche Veränderungen haben schon früh zu ihrem Leben gehört: Als Kind wurden ihr die Ohren angelegt und ihr Unterbiss korrigiert. Sie habe davon profitiert, sagt sie – deshalb hat sie bis heute keine Angst vor Eingriffen. Für sie war schon mit 13 klar, dass sie einmal viele Tattoos haben würde.

"Aussehen sollte einem doch total egal sein – ob jetzt oder in 30 Jahren. Mir geht es gut und ich bin gesund. Dann ist es doch zweitrangig, was ich ihm Gesicht oder im Auge habe."
Maria, Tattoo-Artist

Anders als viele denken, geht es Maria nicht um ihr Aussehen. Das sollte gar keine Rolle in der Bewertung einer Person spielen, findet sie. So geht sie auch an ihre Bodymodifications heran: Wenn es sich in einem Moment richtig und gut anfühlt, dann hat sie auch keine Angst davor, dass sie diesen Schritt einmal bereuen könnte. Denn selbst wenn: Das ist nur die Oberfläche, so Maria.

Hauptsache für sich selbst

Ein Ziel verfolgt Maria mit ihren Veränderungen nicht. Sie macht sie vor allem für sich selbst und zwar, nachdem sie lange überlegt hat. Sie möchte nicht bösartig aussehen – daher gibt es auch einige Modifications, die sie sich nicht machen lassen würde. Zum Beispiel Hörner-Implantate oder eine Nasen-Amputation.

"Ich kann inzwischen abschätzen, worauf ich mich einlasse. Natürlich gibt es auch schlechte Tage, an denen ich gehässige Kommentare schlecht aushalte. Aber das ist ja bei jeder anderen Person auch so."
Maria, Tattoo-Artist

Maria bezeichnet sich selbst als "Rampensau" – die wäre sie aber auch ohne ihre Bodymodifications, sagt sie. Sie sind eben nur ein Teil von ihr. Warum der Drang so stark ist, ihr Aussehen zu verändern, hat sie lange reflektiert und geht der Frage auch in ihrer Therapie nach – bislang ohne konkretes Ergebnis.

Ob sie ihr linkes Auge auch noch färben würde, wie Eyeball-Tattooing funktionert und welche Schmerzen sie für ihre Modifications auf sich nimmt, hört ihr in der Ab 21.

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