Friedrich Merz kam in der CDU nie an Angela Merkel vorbei. Jetzt will er ihr nachfolgen. Wofür steht der Kandidat?

Am Dienstag (30.10.2018) machte Friedrich Merz es offiziell: Er möchte nach Angela Merkel CDU-Vorsitzender werden. Der 62-Jährige sagte, er habe sich nach reiflicher Überlegung und nach zahlreichen Gesprächen zur Kandidatur entschieden. Der Parteitag, auf dem über den Parteivorsitz entschieden wird, findet vom 7. bis 8.12.2018 in Hamburg statt. Wir haben mit Stephan Detjen aus unserem Hauptstadtstudio über den Kandidaten gesprochen.

"Er war immer ein Wirtschaftsliberaler. Das war sein stärkstes Profil. Er war Vertreter einer konservativen Linie der CDU."
Stephan Detjen, Dlf-Hauptstadtstudio

Friedrich Merz ist Rechtsanwalt und Finanzexperte, wirtschaftsliberal und konservativ. Er wurde einst als Hoffnungsträger der Union gehandelt. Er war Teil des Andenpakts, einer Männergruppe von Nachwuchspolitikern. Doch nach der Niederlage der Union bei der Bundestagswahl 2002 drängte Angela Merkel den damaligen Fraktionsvorsitzenden aus dem Amt. Im Jahr 2009 zog sich Friedrich Merz schließlich ganz aus der aktiven Politik zurück, blieb aber am Spielfeldrand, sagt Stephan Detjen.

"Er ist dahin gegangen, wo man als Rechtsanwalt steinreich werden kann, wo es um ganz große Beratungsmandate ging. Aber er ist nie vollständig aus der Öffentlichkeit abgetaucht."
Stephan Detjen, Dlf-Hauptstadtstudio

Den Merkel-Kurs korrigieren

Friedrich Merz sei ein Anhänger der These, dass die CDU unter Angela Merkel zu weit nach Links gerückt sei und so am rechten Rand die AfD erst habe entstehen lassen, sagt Stephan Detjen. Der Politiker verstehe seine Kandidatur als Korrektur einer historischen Fehlentwicklung.

"Es ist sicherlich der Versuch etwas zu korrigieren. Friedrich Merz hat es zumindest als Irrtum der Geschichte begriffen, dass sich diese Frau an die Spitze dieser Partei setzen konnte."
Stephan Detjen, Dlf-Hauptstadtstudio

Der CDU-Parteitag Anfang Dezember könnte nun zum Ort für späte Genugtuung werden. Gebraucht werde in der Union Aufbruch und Erneuerung, schrieb Friedrich Merz. Dieser Tweet dokumentiert seine Erklärung.

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Friedrich Merz - sein politischer Werdegang

Der am 11. November 1955 im sauerländischen Brilon geborene Friedrich Merz begann nach dem Jura-Studium seine berufliche Laufbahn als Amtsrichter in Saarbrücken. 1994 kandidierte der damalige Europaparlamentarier erstmals für den Bundestag und errang auf Anhieb ein Direktmandat. Bald machte er sich vor allem in der Wirtschafts- und Finanzpolitik einen Namen. Im Oktober 1998 wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Im Jahr 2000 übernahm er den Fraktionsvorsitz von Wolfgang Schäuble. Wortgewaltig bot der Jurist der rot-grünen Koalition die Stirn. Doch nach der Bundestagswahl 2002 übernahm Parteichefin Angela Merkel auch den Fraktionsvorsitz.

Friedrich Merz ließ sich 2002 dennoch überreden, unter Angela Merkel das Amt des Fraktionsvizes für den Bereich Steuern und Finanzen zu übernehmen. Er erarbeitete Ende 2003 das Konzept für ein radikal vereinfachtes Steuerkonzept - die Steuererklärung sollte künftig auf einen Bierdeckel passen.

Nach der Bundestagswahl 2005 war in der Führungsriege der neuen Kanzlerin Angela Merkel kein Platz für Friedrich Merz. Der einst gefeierte CDU-Star musste sich mit den hinteren Reihen im Bundestag begnügen.

Ein beharrlicher Kritiker

Seit dem Start der ersten großen Koalition übte Friedrich Merz unablässig Kritik am Kurs der CDU und der Kanzlerin. In der Debatte um die umstrittene Gesundheitsreform Anfang 2007 machte er sich für die Interessen der Privatkassen stark und stimmte im Bundestag gegen die Reform. Danach kündigte er sein Ausscheiden aus dem Parlament mit Ablauf der Legislaturperiode 2009 an.

In der Folge konzentrierte er sich auf die Arbeit als Anwalt einer internationalen Wirtschaftskanzlei in Düsseldorf. Viel Zeit investierte er auch in seine Aufsichtsratsposten: Im Jahr 2013 hatte er insgesamt 19 solcher Mandate inne. Lobbypedia hat dazu eine Übersicht.

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