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Ein Angriff im Westjordanland, die Angst vor weiterer Eskalation – und in wenigen Tagen wird in Israel gewählt. Yael lebt in Berlin, doch um zu wählen, fliegt sie extra nach Israel. Für den aktuellen Ministerpräsidenten könnte es knapp werden.

Am 27. Oktober 2026 ist die Parlamentswahl in Israel. Rund sieben Millionen Menschen sind in Israel wahlberechtigt und entscheiden dann, wie sich die Knesset, das israelische Parlament, zusammensetzt. Und auch darüber, in welche Richtung es politisch in Israel weitergeht.

Ungefähr jede*r neunte Wahlberechtigte lebt im Ausland. Auch Yael Reuveny zählt zu dieser Gruppe: Die israelische Regisseurin lebt seit 20 Jahren in Berlin. Wenn Wahlen anstehen, scheut sie die Kosten und Mühen für eine Israelreise nicht, um ihr Stimme abgeben zu können.

"Ich fliege jedes Mal hin, um zu wählen. Das ist mir unglaublich wichtig. Und ich habe auch das Gefühl, dass ich das den Menschen dort in Israel schuldig bin."
Yael Reuveny, Regisseurin und Drehbuchautorin, die in Berlin lebt

Die Möglichkeit zur Briefwahl gibt es nicht. Das sei traditionell begründet, sagt unser Korrespondent in Tel Aviv, Jan-Christoph Kitzler. In der Gründung des israelischen Staates steckt die Idee, dass möglichst viele Juden israelische Staatsbürger sind und auch dort leben.

Der amtierende israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bringt es in mehreren Amtszeiten auf fast 19 Regierungsjahre. Er ist damit der am längsten regierende Ministerpräsident in der Geschichte Israels. Yael Reuveny hofft auf einen Wechsel. Für sie besteht kein Zweifel darüber, dass diese Wahl existenziell ist, auch wenn sie nicht glaubt, dass sich dadurch direkt etwas verbessert.

Sie wählt ein drastisches Bild, um den Zustand Israels zu beschreiben: "Ich glaube nicht, dass diese Wahl Israel wieder in Ordnung bringen kann. Aber wenn jemand schwer verletzt ist, muss man erst mal die Blutung stoppen."

"Netanjahu ergreift maximale Maßnahmen. Das wird möglicherweise ein paar Wähler dazu bringen, zu sagen: 'Ich wähle doch lieber Netanjahu, denn der ergreift die Maßnahmen, die wir da brauchen um uns vor palästinensischem Terror zu schützen."
Jan-Christoph Kitzler, Korrespondent in Tel Aviv

Es ist ein enges Rennen zwischen Benjamin Netanjahu und seinem Herausforderer Gadi Eisenkot, einem ehemaligen Generalstabschef der israelischen Armee. Auf der einen Seite steht der rechtskonservative Ministerpräsident Netanjahu und die Likud-Partei. Im Wahlkampf geht es hauptsächlich um die Sicherheit und Eigenständigkeit des israelischen Staates. "Da werden große Bedrohungsszenarien an die Wand geworfen", erklärt der ARD-Korrespondent.

Einen Anschlag auf israelische Soldaten am Freitagmorgen (23.10.2026) nahe der Stadt Hebron nutzt Netanjahu nun auch für seinen Wahlkampf. Er hat die komplette Abriegelung des Westjordanlandes angeordnet, um sich als jemanden zu inszenieren, der die maximalen Maßnahmen ergreift, um die Sicherheit wiederherzustellen und sie zu erhalten, erklärt Jan-Christoph Kitzler.

"Es gibt einfach so wenig, was man tun kann. Wir können demonstrieren gehen, wütende Posts auf Social Media schreiben oder Geld an Organisationen spenden. Aber letztlich gibt es nur sehr wenig, was man wirklich tun kann. Wählen gehen ist das, was ich tatsächlich machen kann."
Yael Reuveny, Regisseurin und Drehbuchautorin, die in Berlin lebt

Für das eher linke und liberale Lager geht es in diesem Wahlkampf um die Frage, ob Israel die Möglichkeit behält, als demokratischer Rechtsstaat zu überleben. Die Kritik an der aktuellen Regierung besteht darin, dass sie eine Justizreform auf den Weg gebracht hat, die zu massiven gesellschaftlichen Spannungen führte, während die anhaltenden militärischen Konflikte Israel international isoliert haben. Das macht vielen Menschen in Israel Angst, erklärt Jan-Christoph Kitzler.

Kann Netajahu es ins Amt schaffen, auch wenn seine Koalition keine Mehrheit bekommt?

Die Wahl werde ziemlich knapp ausgehen, nimmt Jan-Christoph Kitzler an. Seit Längerem behält er die Prognosen für die Parlamentswahl im Blick. Es habe keine Umfragen in den letzten Monaten gegeben, in denen Netanjahu und seine Koalition – die sich zum Teil aus sehr rechtsextremen und sehr religiösen Kräften zusammensetzt – eine Mehrheit gehabt hätten, so Kitzler.

Für eine Mehrheit in der Knesset braucht man 61 Sitze, und davon sind sie weit entfernt, sagt unser Korrespondent. In manchen Umfragen liegt die amtierende Koalition bei 50 bis maximal 56 Sitzen, aber für die Mehrheit reicht das nicht.

Knapper Ausgang bei dieser Wahl wahrscheinlich

Benjamin Netanjahu hoffe wohl darauf, dass es möglichst knapp wird, sodass am Ende nur noch wenige Sitze fehlen, nimmt Jan-Christoph Kitzler an. Denn dann hätte er die Chance, weitere Abgeordnete aus anderen politischen Lagern auf seine Seite zu ziehen, indem er ihnen hohe Ämter verspricht, wie er es bereits in der Vergangenheit getan habe.

Dann könnte Netanjahu möglicherweise wieder eine Regierung bilden, sagt unser Korrespondent. Bei der letzten Wahl war es so, dass Netanjahu in den Umfragen niedriger lag und am Ende noch ziemlich aufgeholt hatte. Eine sehr spannende Parlamentswahl, die wahrscheinlich ziemlich knapp ausgehen wird – so die Einschätzung von Korrespondent Jan-Christoph Kitzler.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

  • Unboxing News –
  • Moderation: Ilka Knigge
  • Gesprächspartnerin: Yael Reuveny, Regisseurin aus Israel, lebt in Berlin
  • Gesprächspartner: Jan-Christoph Kitzler, ARD-Korrespondent in Tel Aviv