Vor einem Jahr starben in Armengebieten von Rio de Janeiro in Brasilien 122 Personen bei einem Einsatz der Polizei.

Jetzt hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. Im Oktober 2025 waren 2.500 Polizisten im Eimsatz, um 100 Haftbefehle gegen Mitglieder einer Drogenbande zu vollstrecken. Sie stürmten zwei Armenviertel und töteten dabei 117 Personen. Auch fünf Polizisten starben. Es war der tödlichste Polizeieinsatz der brasilianischen Geschichte. Gleichzeitig wurden nur sieben Verletzte und nur 17 Festnahmen dokumentiert.

Human Rights Watch spricht von Hinrichtungen

Stattdessen hat es laut dem Bericht offenbar regelrechte Hinrichtungen gegeben. Drei Viertel der Toten seien in den Rücken geschossen worden und mehrere Personen waren offenbar gefesselt, bevor sie starben. Ein unabhängiges Medienkollektiv, das über Polizeigewalt in den Armengebieten von Rio berichtet, sagt, die Polizei sei mit der Absicht gekommen, ein Massaker anzurichten.

Polizisten in Rio müssen eigentlich immer Body Cams tragen. Nach Angaben von Human Rights Watch hat das an jenem Tag aber nicht einmal jeder vierte getan. Außerdem seien die Kameras in entscheidenden Momenten manipuliert oder abgeschaltet worden. Man habe über 4.000 Stunden Videomaterial analysiert, aber keine einzige tödliche Aktion gefunden.

Drogen-Chefs kontrollieren immer noch die Favelas

Nachhaltig war der Einsatz nicht. Die Chefs der Drogenbande, die damals verhaftet werden sollten, kontrollieren noch immer die beiden Favelas. Laut Human Rights Watch ist die Polizei damals gar nicht in ihre Häuser eingedrungen. Das nährt den Verdacht, dass die Lokalpolitik in die Machenschaften der Bande verstrickt ist.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat deshalb nach seinem Wahlsieg am Sonntag angekündigt, die Bundespolizei auf die organisierte Kriminalität anzusetzen. Bisher sind die Polizeieinheiten der Landesregierungen zuständig. Sie gelten aber als hoch korrupt.