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Mit seiner Krönung zum Kaiser wird Karl der Große im Mittelalter zum Herrscher über ein riesiges Reich. Nicht nur einheitliche Maße oder Münzen helfen ihm dabei, das Fränkische Reich zusammenzuhalten.

Am ersten Weihnachtstag 800 krönt Papst Leo III. Karl, den König der Franken, zum römischen Kaiser. Die Krönung findet in der Basilika Sankt Peter, dem Vorgängerbau des Petersdoms, statt. Karl bekommt damit sehr viel Macht und obendrein die Rückendeckung der Kirche.

"Das Ganze hatte eine Vorgeschichte. Leo hat Karl nicht einfach nur aus Großzügigkeit nach Rom eingeladen. Er braucht ihn. Oder besser: seine politische Macht."
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner schildert die Zeremonie, so wie Karls Biograf Einhard sie überliefert. Und er erklärt auch, warum es wahrscheinlich ist, dass Einhard diese Überlieferungen zu Karls Gunsten schönte. Fest steht: Die Verbindungen zwischen Kirche und Kaiser wurden dadurch enger.

"Schon vor Chlodwig hatte man Kontakte zur christlichen Bevölkerung. Und insofern war es folgerichtig, dass das schließlich zu einer Christianisierung führte."
Martina Hartmann, Expertin für Karl den Großen und die vor ihm herrschenden Merowinger

Martina Hartmann war bis September 2026 die Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica und damit verantwortlich für die bedeutendste Quellensammlung der mittelalterlichen Geschichte.

Sie gilt als Expertin für Karl den Großen und die vor ihm herrschenden Merowinger. Und sie erklärt, wie es bereits unter den Merowingern zu einer Christianisierung kam, die dann später ein wichtiger Bestandteil des Frankenreiches wurde.

Warum wollte Karl Kaiser werden?

Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld beschreibt den Aufstieg der Merowinger bis zum Beginn der Regentschaft Karls.

Karl ist zunächst König der Franken. Auch in dieser Position verfügt er bereits über Macht. Warum wollte er Kaiser werden? "Irgendwann sind die Schuhe zu klein", sagt der Historiker Frank Pohle. Er leitet das Geschichtsmuseum Centre Charlemagne in Aachen. Pohle erklärt außerdem, warum Karl römischer und nicht deutscher Kaiser war.

"Der fränkische König beherrscht inzwischen das relevante christliche Europa. Da ist sonst keiner mehr, der ihm Konkurrenz machen könnte."
Historiker Frank Pohle erklärt, warum Karl nicht König blieb, sondern einen Kaisertitel anstrebte

Als Kaiser herrscht Karl der Große nun über ein großes Reich, das abgesehen von Britannien und der iberischen Halbinsel das Gebiet der lateinischen Christenheit des frühen Mittelalters umfasst.

Das Gebiet der lateinischen Christenheit

Es reicht von den Pyrenäen bis weit nach Mitteleuropa, von der Nordsee bis zur Spitze der heutigen kroatischen Adriaküste, weiter nach Italien bis südlich von Rom. Eine Ausnahme bildet ein Teil der Bretagne, wo die keltischen Bretonen siedelten, die aus Britannien geflüchtet waren.

Einheitliche Gewichte, Münzen und die Religion

In Karls Frankenreich gelten gleiche Erlasse, die in den Kapitularien festgehalten sind. Maße und Gewichte will Karl vereinheitlichen. Mit dem Silberdenar werden eine zentrale Münze und ein einheitliches Münzsystem etabliert.

Zudem wird die karolingische Minuskel verbreitet, die die Buchschrift standardisierte. Das Christentum ist die maßgebliche Religion im Frankenreich, der die meisten Menschen angehören.

Wie lässt sich so ein großes Reich zusammenhalten?

Ohne den direkten Vergleich ziehen zu wollen: Zwischen dem Fränkischen Reich und der Europäischen Union des 21. Jahrhunderts lassen sich gewisse Ähnlichkeiten erkennen: Die Gebiete des heutigen Frankreichs, Deutschlands, der Benelux-Staaten und Italiens machten das Kerngebiet Karls des Großen aus. Und auch heute gelten sie noch als "Kerneuropa".

Das Gebiet, über das Karl der Große herrscht, ist nicht nur groß, sondern es ist auch eine große Herausforderung, so ein Reich zusammenzuhalten.

Wie konnte das gelingen? Bernhard Jussen ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt und erläutert, wie das riesige Frankenreich regiert und verwaltet wurde.

"Wenn es kein Steuersystem gibt, dann ist auch keine Administration möglich. Und auch kein besoldetes Heer. Das bedeutet, die öffentliche Ordnung musste anders organisiert werden als im römischen Imperium."
Bernhard Jussen, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt

Anders als im römischen Reich gab es zum Beispiel kein Steuersystem. Damit fehlte ein wichtiges Instrument, um so ein großes Reich zu verwalten. Die Religion hingegen spielte eine umso wichtigere Rolle, um den Zusammenhalt zu sichern.

Kontakt

E-Mail: history@deutschlandfunknova.de

Shownotes
748
Karl der Große und das Fränkische Reich
vom 02. Oktober 2026
Moderator: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
Gesprächspartner: 
Martina Hartmann, Historikerin, bis September 2026 Präsidentin der Monumenta Germaniae Historica
Gesprächspartner: 
Frank Pohle, Historiker, leitet das Geschichtsmuseum Centre Charlemagne in Aachen
Gesprächspartner: 
Bernhard Jussen, Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt
  • Historikerin Martina Hartmann erklärt, wie es bereits unter den Merowingern zu einer Christianisierung kam
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Martin Krinner erinnert an die von Karls Biographen Einhard überlieferte, aber zu Karls Gunsten geschönte überlieferte Zeremonie, mit der der König der Franken Karl am 25. Dezember 800 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde.
  • Historiker Frank Pohleerklärt, warum Karl römischer und nicht deutscher Kaiser war.
  • Historiker Bernhard Jusse erläutert, wie das riesige Frankenreich regiert und verwaltet wurde.