Vieles ist bekanntlich im Laufe der Geschichte erfunden worden: der Webstuhl, die Dampfmaschine, das Fahrrad, die Eisenbahn, das Auto. Und der Terrorismus: am 14. Januar 1858. Dazu ein Vortrag von Carola Dietze.

Auch wenn die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center als eine neue Art des Bösen eingestuft wurden: Sinn, Zweck und Muster dieser öffentlichen Attacke auf die USA waren da schon 150 Jahre alt. Alle weiteren Anschläge in Frankreich, England oder Deutschland haben die im 19. Jahrhundert erfundene Form lediglich nachgeahmt - freilich mit modernen Mitteln.

"Sie sollen vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen."
Peter Waldmann, Soziologe

Für den Terrorismusexperten Peter Waldmann sind terroristische Anschläge planmäßig vorbereitete Gewalt gegen eine politische Ordnung. Und die Historikerin Carola Dietze benennt in ihrem Vortrag den Italiener Felice Orsini als ersten Terroristen überhaupt. Am 14. Januar 1858 versucht er, den französischen Kaiser Napoleon III. zu ermorden. Orsini will auf diese Weise die Öffentlichkeit aufrütteln, damit die französische Regierung ihre Italien-Politik ändert. Zwar misslingt das Attentat, Orsini erzielt aber dennoch seinen gewünschten Erfolg. Napoleon ändert seinen Kurs.

"Er war fest der Überzeugung: Wenn er Napoleon töten kann, dass es eine Revolution in Frankreich geben und dann ganz Europa nachfolgen würde."
Carola Dietze, Historikerin

Nach Carola Dietze gibt es in den Folgejahren vier Nachahmer Orsinis, die auch die Medien und Öffentlichkeit für ihre Ziele instrumentalisieren. Selbst die Attentäter von 2001 und später setzen laut Dietze primär noch immer darauf, ihre Botschaften an die Öffentlichkeit zu richten. Ohne neue Medien gebe es keinen Terrorismus, so wie es ohne Flugzeuge auch keine Flugzeugentführung geben könne - stellt die Historikerin fest.

Carola Dietze arbeitet als Historikerin an den Universitäten Jena und Braunschweig. Ihr Vortrag am 13. Februar 2017 am Hamburger Institut für Sozialforschung trug den Titel "Terrorismus als transatlantische Erfindung. Taktik, Technologie und Öffentlichkeit".