Unsere Gene sagen, wo es langgeht, die Proteine machen die Arbeit - jetzt ist zum ersten Mal geklärt, welche Proteine im menschlichen Körper vorkommen.

Es war die Wissenschaftsnews des Jahres 2000: Zwei Forschergruppen hatten parallel fast den vollständigen Bauplan des Menschen präsentiert: das Genom. Und im Jahr 2014? Da gibt es einen neuen Katalog für den menschlichen Körper: das Proteom.

Warum ihr euch dieses schwierige Wort merken solltet? Es geht um alle Proteine, also Eiweiße, die in unserem Körper vorkommen, erklärt Sophie Stigler aus der Nachrichtenredaktion von DRadio Wissen. Die Gene beschreiben, wie diese Proteine hergestellt werden sollen. Proteine bilden die Grundmasse: für Muskeln, Knochen, Organe oder Haut. Eine weitere wichtige Aufgabe: Proteine sind Botenstoffe, die zum Beispiel als Enzyme Vorgänge in unserem Körper steuern können. Kurz zusammengefasst: Die Gene sagen, wo es langgeht und die Proteine machen die Arbeit.

Lange Zeit gab es nur eine ungefähre Vorstellung, welche Proteine wirklich im menschlichen Körper vorkommen. Er jetzt gibt es Gewissheit. Das Fachmagazin Nature hat dazu zwei Listen präsentiert: eine von der TU München und eine von einem Team aus den USA und aus Indien. Beide haben unabhängig voneinander Kataloge mit 18.000 und 17.000 Proteinen erstellt. Experten gehen davon aus, dass damit rund 90 Prozent der menschlichen Proteine entschlüsselt sind.

Rund 90 Prozent der menschlichen Proteine entschlüsselt

Wie die Forscher den Proteinen auf die Spur gekommen sind? In München haben sie sich bei der Gewebebibliothek der Uniklinik bedient und Schnipsel von Haupt oder Knochen anderthalb Jahre mit speziellen Maschinen vermessen. Die Ergebnisse wanderten in eine Datenbank, die jeder Interessierte durchforsten kann.

Die wichtigsten neuen Erkenntnisse dieser Fleißarbeit: viele neue Proteine, die die Forscher gar nicht auf der Rechnung hatten und auch einige Vermisstenmeldungen: Proteine, die auf der Genkarte verzeichnet waren, von denen aber jede Spur fehlte. Mögliche Erklärungen: Sie liegen nur bei Embryos vor oder sie sind mittlerweile deaktiviert worden, weil sie nicht mehr gebraucht werden - wir können also der Evolution bei der Arbeit zusehen.

Besonders wichtig könnte der neue Katalog für die Medikamentenforschung werden: So wird mittlerweile in der Krebsforschung versucht, über die Proteine an Krebszellen heranzukommen.