Einsteigen, einschlafen, aufwachen: Nachtzüge sollen eigentlich eine komfortable und umweltfreundliche Alternative zum Fliegen sein. Doch so richtig populär sind sie bislang nicht. Jetzt wollen zwei deutsche Start-ups den Nachtzugmarkt aufmischen.

Nachtzüge haben in den vergangenen Jahren ein Revival erlebt. Ein richtiger Durchbruch blieb jedoch aus. Das liegt unter anderem daran, dass Nachtzüge eher unrentabel sind, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jakob Gierath.

"Einerseits fahren sie nur einmal täglich, andererseits müssen die Betreiber auf Tickets und den Strom für die Lok Steuern zahlen. Airlines dagegen zahlen bei internationalen Flügen keine Mehrwertsteuer auf die Tickets."

Baustellen machen Nachtzügen zu schaffen

Auch bei der Verlässlichkeit haben Nachtzüge Nachholbedarf. Das liegt vor allem am Baustellenmanagement, das den Fahrplan durcheinanderbringt. "Wie die Baustellen gemanagt werden, da ist sicherlich noch Luft nach oben. Oft werden sie erst kurzfristig angekündigt und dann in letzter Minute wieder abgesagt", sagt Kurt Bauer, Nachtzug-Chef der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen), der derzeit größter Betreiber von Nachtzügen in Europa.

"Gebaut wird vor allem nachts – und das bringt den Fahrplan in die Bredouille."
Jakob Gierath, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Hinzu kommt, dass es nach wie vor an Komfort mangelt. "Die meisten Nachtzugwaggons sind mindestens 30 Jahre alt, die Abteilkonzepte stammen noch aus den 1950er-Jahren. Das passt nicht zu unseren heutigen Vorstellungen von Komfort und Privatsphäre", sagt unser Reporter.

Pläne deutscher Start-ups

Zwei Start-ups aus Deutschland wollen Nachtzüge nun rentabler machen: Nox Mobility und Luna Rail. Unser Reporter hat sich ihre Konzepte auf der Zugmesse InnoTrans angeschaut.

Bequemer und privater unterwegs im Nachtzug

Beide Unternehmen wollen unter anderem das Kabinendesign grundlegend verändern. Luna will möglichst viele Menschen bequem und mit ausreichend Privatsphäre in einem Waggon unterbringen, erklärt unser Jakob.

"Was die Ingenieure da machen, grenzt an 3D-Tetris. Aber die Abteile und Einzelkabinen bieten ein gutes Raumgefühl", beschreibt er seinen Eindruck. Luna plant, Ende des Jahrzehnts die ersten Wagen auszuliefern. Betreiben sollen sie andere Gesellschaften.

Auf Einzelkabinen setzen inzwischen auch die ÖBB. Sie erhöhen die Auslastung und verbessern Komfort und Privatsphäre, sagt Kurt Bauer, der Nachtzug-Chef des Unternehmens.

Business-Class-Sitze wie im Flugzeug

Das Start-up Nox hat zunächst vor allem eine neue Zielgruppe im Blick: Geschäftskunden. Im März 2027 soll der erste Nox-Zug in rund elf Stunden von Hamburg nach München fahren. Tickets soll es dafür ab 65 Euro geben.

Mit echten Schlafabteilen will Nox allerdings noch nicht starten, erklärt Gründer Janek Smalla. Stattdessen setzt das Unternehmen zunächst auf sogenannte Suites – verstellbare Sitze mit Sichtschutz. "Und die sind wirklich wie im Flieger: oben offen, und mit zwei Handgriffen wird der Sitz zum Bett", so unser Reporter.

"Geplant ist, dass wir mit den Suites starten, einem einfacheren Produkt. Das sind eher Business-Class-Sitze, und damit kommen wir schneller auf den Markt."
Janek Smalla, Nox-Gründer

Nox kooperiert außerdem mit Hotels. So lassen sich am Zielort beispielsweise ein Frühstück oder eine Dusche dazubuchen. Kurt Bauer freut sich übrigens über die neuen Mitbewerber. Sie bringen Schwung in den Markt, wovon auch die ÖBB profitieren könnten, meint er.

Unser Artikelbild zeigt einen Schlafwagen aus dem Jahr 2018, wie sie auch heute noch eingesetzt werden.

Shownotes
Ab ins Schlafabteil
Der Nachtzug soll zurückkommen – mit neuen Ideen
vom 12. Oktober 2026
Moderator: 
Christoph Sterz
Gesprächspartner: 
Jakob Gierth, Deutschlandfunk-Nova-Reporter