"Der sieht ja aus wie du!" Den Satz haben viele schon mal gehört. Denn auch wenn jeder Mensch einmalig ist, ähnelt er in seinem Aussehen oft einem anderen. Zwei Menschen, ein Gesicht – wie viele Doppelgänger wir wirklich haben, versuchen wir in diesem Ab-21-Podcast zu klären. Das ist nicht einfach.

Wer die Begriffe "Doppelgänger" und "Statistik" in die Suchmaschinen im Internet eintippt, findet unzählige Artikel zu dem Thema – viele davon liefern die gleiche Antwort: Statistisch gesehen hat jeder sieben Doppelgänger. Aber stimmt das wirklich? In den Online-Artikeln wird immer wieder auf eine Studie der Universität Adelaide aus dem Jahr 2015 verwiesen. Das Erstaunliche: Die Studie kommt gar nicht zu diesem Ergebnis.

Die Forscher der Universität Adelaide haben 4000 Gesichter analysiert und geschaut, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass viele Gesichtsmerkmale bei zwei Personen übereinstimmen, wie zum Beispiel die Größe der Ohren oder der Abstand zwischen den Augen.

Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass acht Merkmale gleich sind bei zwei Personen, liegt bei eins zu einer Billion – im Original ist von einer "trillion" die Rede. Und genau da ist der Fehler entstanden: Die Zahl wurde oft falsch übersetzt - oder die falsche Übersetzung übernommen. Das englische "trillion" wurde zur Milliarde gemacht anstatt zur Billion, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Niklas Potthoff im Podcast.

"Auf der Welt gibt es inzwischen bald acht Milliarden Menschen, da hätten wir also der falschen Übersetzung zufolge inzwischen sogar acht Doppelgänger."
Niklas Potthoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Gesamteindruck zählt

Im echten Leben zählt aber oft der Gesamteindruck einer Person, wie ähnlich sie wirkt. Also: Wie wir laufen, sprechen, uns bewegen. Wenn bei zwei Personen ein oder mehrere Merkmale übereinstimmen, kann uns unser Gehirn schnell täuschen, sagt Gedächtnisforscher Roland Benoit vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

"Es kann sein, dass unser Gehirn Merkmale wahrnimmt und die mit den Merkmalen einer anderen Person übereinstimmen und dann versucht das Gehirn das quasi zu vervollständigen."
Roland Benoit, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Der Mensch neigt dazu Dinge, die wir sehen, mit Dingen zu vergleichen, die wir schon kennen, erklärt der Experte. Das machen wir auch bei Menschen. Deswegen passiere es öfter, dass wir Menschen sehen, die uns an jemanden erinnern, sagt Roland Benoit.

"Es kann sein, dass wir etwa einen scheinbaren Doppelgänger im Gesicht eines Fremden sehen, weil wir die eine Person besonders stark in diesem Moment erwarten."
Roland Benoit, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften