Neben den Gleisen ist noch Platz für Breitbandkabel. Also bietet die Bahn ihre Hilfe beim Ausbau der Dateninfrastruktur an – gegen Milliarden vom Bund. Unser Netzreporter hat sich den Vorschlag angesehen.

Die Bahn AG möchte zum Aufbau einer besseren Netzinfrastruktur beitragen – finanziert mit Milliarden aus dem Bundeshaushalt. Das hat das Handelsblatt recherchiert. Von Breitbandausbau wird viel geredet, aber eine schnelle Netzinfrastruktur ist bisher in Deutschland nicht entstanden. Das liegt auch an verschiedenen Lobbyinteressen

Die Idee der Bahn ist: Zum einen könnten die bereits neben den Gleisen liegenden Kabel von Telekom, Vodafone und Co. gemietet werden, also für schnelles Internet für Privatleute. Zum anderen: Wo noch keine Kabel vorhanden sind, könnten sie mit relativ geringem Aufwand installiert werden. Immerhin 3,5 Milliarden Euro fordert die Bahn vom Bund dafür. Unser Netzreporter Konstantin Köhler begrüßt den Vorschlag grundsätzlich.

"Das wirklich Gute daran ist, dass es fast überall Bahngleise gibt. Wenn man die Schächte nutzen kann, warum nicht?"
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

An rund 18.000 Kilometern Gleisstrecke der Deutschen Bahn liegen bereits Breitbandleitungen, sie werden teilweise auch für die Steuerung des Zugverkehrs gebraucht. Neben weiteren 15.000 Schienenkilometern laufen noch keine Kabel entlang, aber die Schächte gibt es schon.

Zusätzlich schlägt die Bahn vor, die Breitbandkabel an neue Mobilfunk- und Datenmasten anzubinden. Dann würde man das Handynetz in Deutschland gleich mit verbessern.

Probleme bei der Kontrolle der Bahn

Kritiker befürchten, dass die Bahn übermäßig von dem Deal profitieren könnte. Sven-Christian Kindler von den Grünen sagt, dass die Bahn schwierig zu kontrollieren sei, weil sie als Aktiengesellschaft organisiert ist und der Bundestag keinen direkten Einfluss auf Unternehmensentscheidungen hat. Der Bundestag müsste hier mehr Möglichkeiten bekommen, sonst bestehe das Risiko, dass das Geld versickere.

"Es gibt die Befürchtung, dass die Bahn von diesem Deal über die Maßen profitiert. Manche Politiker fragen, ob das Geschenk für die Deutsche Bahn nicht ein bisschen groß ist."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Bereits Anfang Oktober 2018 hatte auch der Bundesrechnungshof eine bessere Aufsicht der Bundesregierung über die Deutsche Bahn gefordert. Im schlimmsten Fall hieße das für das Breitbandprojekt: Die Bahn sackt die Milliarden ein, baut aber keine Breitbandleitungen. Falls es klappt, wird es dauern, bis die oder Einzelne in seiner Wohnung oder beim Telefonieren und Surfen auf Reisen von dem Ausbau profitiert.

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