Die Bürgermeister in Löwenstedt waren weitsichtig: Sie haben früh eine Initiative gegründet, damit die Gemeinde sich selbst mit einem schnellem Netz versorgen kann. 

Egal, ob wir es privat nutzen oder von Zuhause aus arbeiten wollen - ein Ort, an dem es keine schnelle Internetverbindung gibt, ist für viele einfach nicht besonders attraktiv. 

Simon Hansen ist gebürtiger Löwenstedter. Der 27-Jährige ist in der 700-Einwohner-Gemeinde in Nordfriesland aufgewachsen. Für sein Informatik-Studium zog er ins 30 Kilometer entfernte Flensburg. Er wäre nicht zurückgekommen, wenn es in seinem Heimatort keine schnelle Verbindung ins Netz geben hätte.

"Hätte Löwenstedt in der Hinsicht nichts getan, dann wäre ich auch nicht zurückgekommen. Weil ich eben ganz einfach nicht arbeiten kann von zu Hause.“
Simon Hansen, Bewohner von Löwenstedt
Simon Hansen lebt und arbeitet in Löwenstedt.
© Johannes Kulms | Deutschlandfunk Nova
Simon Hansen lebt und arbeitet in Löwenstedt.

Seit 2014 hat das Dorf unweit der deutsch-dänischen Grenze Breitbandanschluss. Das bedeutet: Die Bewohner können mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Netz surfen. Das hat dem Ort weltweites Interesse eingebracht, weil viele wissen wollten, wie die Gemeinde aus Nordfriesland diese Herausforderung gestemmt hat. 

Solidarprinzip für schnelles Internet

Für große Telekommunikationsunternehmen ist das dünnbesiedelte Nordfriesland ziemlich unattraktiv. Doch in der Region wollte man das Surfen im Schneckentempo nicht länger hinnehmen. Löwenstedt wurde zum Vorreiter: Als erste Gemeinde bundesweit wurde hier nach dem Solidarprinzip schnelles Internet ermöglicht. Das bedeutet: Die Leute haben den Ausbau mit Breitband selbst in die Hand genommen.

"Der ehemalige Bürgermeister und der jetzige Bürgermeister hatten auf jeden Fall den richtigen Riecher."
Simon Hansen, Bewohner von Löwenstedt
Straßenschilder in Löwenstedt.
© Johannes Kulms | Deutschlandfunk Nova
Ländliche Idylle schließt schnelles Internet nicht aus.

2012 gründeten Kommunen, Bürger und Firmen die Bürger-Breitband-Netzgesellschaft. Das Ziel: Schnelles Internet für 57 Gemeinden in Nordfriesland. Löwenstedt wurde damals zum Versuchsprojekt. Rund 850.000 Euro waren nötig für den Breitbandanschluss des Dorfes. Dafür musste im Dorf Geld gesammelt werden. 

90 Prozent der Löwenstedter stimmen zu

Damit es losgehen konnte, mussten sich mindestens zwei Drittel aller Löwenstedter Haushalte am Breitband-Ausbau beteiligen. Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder gingen daraufhin erfolgreich Klinken putzen. Denn am Ende stimmten mehr als 90 Prozent zu. Jeder Haushalt war mit 1.000 Euro dabei, erzählt Löwenstedts heutiger Bürgermeister Holger Jensen unserem Reporter Johannes Kulms.

"Für die Bürger hier in Löwenstedt ist das so üblich, die ziehen schon seit Generationen an einem Strang. Wenn sie etwas auf die Beine stellen wollen, dann kriegen die das auch hin!"
Holger Jensen, Löwenstedts Bürgermeister

2012 wurden die Straßen des Dorfs für die Fernwärmeversorgung aufgerissen. Bei der Gelegenheit wurden gleichzeitig noch leere Rohre eingezogen, in die später die Glasfaserleitungen kamen. Das war der Weitsicht der Verantwortlichen zu verdanken, und die Gemeinde konnte dadurch Kosten sparen.

Holger Jensen, der Bürgermeister von Löwenstedt.
© Johannes Kulms | Deutschlandfunk Nova
Vom Bauer bis zum Sportverein: Mit dem neuen Netz scheinen alle glücklich.

Viele profitieren vom schnellen Internet

Inzwischen profitieren auch viele Branchen in Löwenstedt vom schnellen Netz. Der Bauer, weil er neu geborene Tiere per Smartphone kurzfristig melden kann und die Ergebnisse von Kontrollen zügig mitgeteilt bekommt. Der örtliche Fußballverein, weil er Spielergebnisse zeitnah an den Deutschen Fußballbund übermitteln kann. So werden beispielsweise auch Geldstrafen für späte Meldungen vermieden. Und auch die Handwerker des Ortes sparen Zeit und Kosten, weil sie per Internet einfacher und schneller Baumaterialien bestellen können. 

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