Die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gilt aus Sicht des Deutschen Olympischen Sportbundes als rehabilitiert, doch die Dopingsperre 2009 hat ihr Leben ruiniert. Jetzt kämpft sie vor dem Bundesgerichtshof um Wiedergutmachung.

Mit fünf Goldmedaillen ist sie Deutschlands erfolgreichste Wintersportlerin aller Zeiten. Und doch ist ihr Leben ruiniert. Claudia Pechstein hat finanziell alles verloren und wollte ihrem Leben ein Ende setzen. Der Grund ist ihre zweijährige Dopingsperre und Verurteilung durch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS). Dabei waren jedoch keine verbotenen Substanzen in ihrem Blut festgestellt worden. Das Gericht urteilte aufgrund von Indizien, nachdem bei einer Blutprobe auffällige Werte festgestellt wurden. Ein sogenannter indirekter Beweis.

"Als ich 2009 die Nachricht von meiner Sperre bekam, wollte ich meinem Leben ein Ende bereiten."
Claudia Pechstein, Eisschnellläuferin

Inzwischen gilt Claudia Pechstein offiziell als rehabilitiert. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, hat sich in einer Erklärung entschuldigt für all das, was ihr in den vergangenen Jahren zugefügt worden sei. Und auch juristisch hat sie große Teilerfolge errungen. Zwei Münchener Gerichte haben ihre Klage auf Schadenersatz zugelassen. Doch dagegen wehrt sich der Eisschnelllauf-Weltverband. In der ersten Jahreshälfte 2016 wird es vor dem Bundesgerichtshof zum Showdown kommen. Denn Claudia Pechstein ist eine Kämpferin, nicht nur auf dem Eis.

"Ich hätte mir nie erträumen können, dass ich mal Sportgeschichte schreibe."
Claudia Pechstein, Eisschnellläuferin

Längst ist durch ein medizinisches Gutachten nachgewiesen, dass sie unter einer genetisch bedingten Blutanomalie leidet. Der Hörsaal lässt sowohl Claudia Pechstein als auch den Anwalt Thomas Summerer zu Wort kommen und über ihren Kampf vor den Gerichten erzählen. Zweifellos ist das nur die eine Seite der in diesem Fall sprichwörtlichen Medaille.

Juristisches Neuland

Thomas Summerer wie Claudia Pechstein erklären den Professoren und Studenten der Juristischen Fakultät der Universität Köln, welche rechtlichen Strategien die beiden angewendet haben, um die Thematik weg von der Sportgerichtsbarkeit, dessen Entscheidung unanfechtbar ist, nun durch zivile Gerichte überprüfen lassen zu können. Juristisches Neuland, das Athleten, die sich der Sportgerichtsbarkeit schon lange hilflos ausgeliefert fühlen, mit allergrößtem Interesse verfolgen. Thomas Summerer prognostiziert schon jetzt nach seinen Teilerfolgen:

"Es wird kein deutsches Verfahren mehr vor dem CAS geben. Der CAS wird an Bedeutung verlieren."
Thomas Summerer, Rechtsanwalt

Die Aufzeichnung an der Universität Köln erfolgte am Mittwoch, dem 16. Dezember 2015.

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