Seit etwa 1945 gilt die Kolonialzeit in Afrika als endgültig beendet. Endgültig? Wissenschaftler haben da unterschiedliche Meinungen. Kolonialismus-Experte Andreas Eckert sagt, es werde von Jahr zu Jahr deutlicher, dass das koloniale Erbe schwer auf dem Kontinent lastet.

Der nigerianische Historiker Jacob Ade Ajayi hatte Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts große Hoffnungen: Für ihn als Geschichtsschreiber war die Zeit der Kolonialherrschaft nur eine Episode im langen Kontinuum Afrikas.

Nach Ansicht von Andreas Eckert von der Humboldt-Uni Berlin hat sich Ajayis Sicht nicht bewahrheitet. Die afrikanischen Regierungen könnten bis heute nicht auf dem vorkolonialen Erbe aufbauen oder sich davon wirklich befreien, sagt er.

Stereotypen beim Thema Kolonialismus 

Dabei, so Andreas Eckert, müssten wir dringend von unseren Stereotypen wegkommen. Beispielsweise davon, 

  • dass es im Kolonialismus hier nur die Täter und dort nur die Opfer gegeben habe.
  • dass das alles schon nicht so schlimm gewesen sei, weil die Kolonialherrscher ja auch Gutes getan hätten, wie etwa Schulen zu bauen.
  • dass alle Afrikaner immer nur unterdrückt wurden.

Andreas Eckert betont eher, dass es sehr vielen Afrikanern gelungen sei, sich den Europäern zu entziehen, weil diese in Wirklichkeit viel zu schwach waren.  

"Der große Zugriff auf afrikanische Arbeitskräfte, den sich die Kolonialherren erhofften, fand nicht statt."

Die Schwäche der europäischen Mächte habe aber auch zu Gewalt geführt, sagt Andreas Eckert. "Sie war sogar Ausdruck dieser Schwäche."

Auch Afrikaner haben zu Waffen gegriffen

Auf der anderen Seite haben Afrikaner bei Gewaltexzessen selbst kräftig mitgemischt. Fachleute sprechen deshalb nicht mehr vom Burenkrieg, sondern vom Südafrikanischen Krieg, in dem zahlreiche Schwarze ebenfalls zu den Waffen gegriffen haben, um ihre Interessen zu vertreten. 

Andreas Eckert leitet als Geschäftsführender Direktor das Institut für Asien- und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität. Am 28. August 2018 hat er auf der 33. Berliner Sommer-Uni über das Thema gesprochen: "Afrika und der Kolonialismus". Die Veranstaltung hat die Berliner Sommerakademie zusammen mit der Freien Universität organisiert. Die Woche stand unter dem Motto "Afrika - Herkunft und Schicksal der Menschheit". 

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