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Wir werden uns nie verlieren! Habt ihr sicher auch schon mal gedacht oder gesagt, zu einer Freundin oder einem Freund. Doch was macht euch da so sicher? Der Roman "Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel geht dieser Frage auf den Grund.

Kintsugi ist das japanische Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Diese Tradition lehrt, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit den Brüchen und Versehrtheiten.

"Auf Reiks Gesicht liegt ein Ausdruck, den nur Max deuten kann. Weil er ihn seit zwanzig Jahren kennt. Und liebt. Und vielleicht auch verachtet."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin

In diesem Blick - und an Reiks Haltung - kann Max erkennen, dass etwas anrollt. Reiks Schultern wirken angespannt, seine Bewegungen fahrig. Es rumort in Reik. Und es muss raus. Sie finden ihn vorm Haus, in Gummistiefeln und Wollpullover. Er zerlegt mit einer Kettensäge ein riesiges Stück Holz. Es sieht ziemlich gefährlich aus. Und es ist auch gefährlich.

Vier Menschen, die sich ein Leben lang kennen

Ein Wochenende in der Uckermark stellt vier Freunde, bzw. drei Freunde und eine Freundin auf eine Probe. Geplant war das anders. Ein paar gemütliche Tage sollten es werden, eine Art Jubiläum. Gemütlich ist es ja auch, das Haus, der See, ein paar Bücher, viel Tee. Aber hinter diesem Idyll liegt etwas verborgen, etwas Trauriges.

Was halten sie aus? Wie steht es um ihre Beziehungen untereinander? Was ist überhaupt eine "Beziehung"? Wie viel Liebe braucht sie, um perfekt zu sein? Wie viel Geduld, damit sie heil bleibt? Und: Wie viel Druck, bis sie zerbricht? Diese und viele andere Fragen wirft Miku Sophie Kühmel in ihrem ersten Roman "Kintsugi" auf.

Ein Künstler, ein Archäologe, ein Pianist und dessen Tochter

Reik ist Künstler. Max ist Archäologieprofessor. Tonio ist Pianist - und Reiks erster Knutschfreund. Und dann ist da noch Pega, Tonios Tochter. Sie ist mit Reik und Max groß geworden, hat mit dem einen Bilder gemalt, mit dem anderen Bücher gelesen. Seit ziemlich genau achtzehn Jahren ist sie auch irgendwie ihre Tochter.

Vier Menschen, die sich ein Leben lang kennen. Pegas Leben lang - und länger. Aber es ist nicht mehr wie früher. Etwas ist anders. Etwas geht kaputt. Die Beziehung zwischen Reik und Max ist allmählich zum Gefängnis geworden, Tonio muss akzeptieren, dass seine Tochter jetzt erwachsen ist, und Pega muss zum ersten Mal erfahren, wie es sich anfühlt, wenn ihr Herz bricht.

"Kintsugi" von Miku Sophie Kühmel, erschienen bei S. Fischer, 295 Seiten (inkl. Glossar), gebundene Ausgabe: 21 EUR, eBook: 18,99 EUR, ET: 28.08.2019

Miku Sophie Kühmel wurde 1992 in Gotha geboren. Seit 2013 erscheint ihre Kurzprosa regelmäßig in Zeitschriften und Anthologien. Kühmel erzählt ihre Geschichten auch in Radiostücken und Podcasts. „Kintsugi“ ist ihr erster Roman, für den sie mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2019 ausgezeichnet wurde. Aktuell steht er auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019.