Grafiker, Designer und Werbeagenturen in Venezuela können bald keine Adobe-Produkte mehr nutzen. Verantwortlich dafür ist eine Anweisung des US-Präsidenten – die für Adobe vielleicht nicht mal gelten würde.

Der US-amerikanische Softwarehersteller Adobe sperrt am 28. Oktober die Konten und den Cloud-Zugriff von Nutzern in Venezuela. Der Ausschluss der Nutzer in Venezuela ist technisch überhaupt erst möglich, weil Adobe-Programme wie Photoshop, Premiere oder Illustrator inzwischen über ein Abonnement laufen und nicht mehr einmalig und einzeln gekauft werden können.

Die Maßnahme Adobes trifft viele Privatnutzer, die sich ambitioniert mit Fotografie, Design und Film beschäftigen, vor allem aber Profis wie Grafiker, Designer, Werbeagenturen, Social-Media-Dienstleister und Filmproduktionsfirmen. Die Adobe-Produkte sind hier weltweit am meisten verbreitet und Quasi-Standard.

"Eigentlich kann sich kein verantwortungsvolles Unternehmen in der EU nach diesem Vorfall noch erlauben, auf US-Software und US-Clouds zu setzen."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Grund für die Sperrung der Adobe-Konten in Venezuela ist ein politischer: US-Präsident Donald Trump hat am 5. August die "Exekutivanweisung 13884" erlassen. Sie trägt die Überschrift "Blocking Property of the Government of Venezuela". Auf der FAQ-Seite von Adobe ist zu lesen, wie das Unternehmen diese Anweisung auslegt: "The U.S. Government’s recent Executive Order regarding Venezuela prohibits almost all transactions and services between U.S. companies and entities and individuals in Venezuela." Adobe will mit der Sperrung der venezolanischen Nutzer dieser Anweisung nun folge leisten.

Schießt Adobe übers Ziel hinaus?

Unstrittig ist Adobes Maßnahme aber nicht. Laut dem Online-Magazin Ars Technica hat Adobe die Exekutivorder 13884 nämlich überinterpretiert – es gebe sogar ein Statement der US-Regierung, wonach die Exekutivanweisung nicht alle Geschäftsbeziehungen nach Venezuela betreffe. Weder Microsoft noch Amazon haben bisher für ihre Cloud-Software und -Services Restriktionen für Nutzerinnen und Nutzer in Venezuela angekündigt.

Auswahl von Software und Cloud-Diensten: Politische Abhängigkeiten bedenken

Dieser Fall zeigt erneut, wie politische Vorgaben konkrete Konsequenzen für Privatleute und Unternehmen haben können. Ein anderes Beispiel ist Huawei, das das neue Smartphone-Modell ohne Google-Dienste ausliefern muss. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat sagt: "Eigentlich kann sich kein verantwortungsvolles Unternehmen in der EU nach diesem Vorfall noch erlauben, auf US-Software und US-Clouds zu setzen."

Kürzlich hat eine Untersuchung gezeigt, dass auch die deutsche Bundesverwaltung zu abhängig von Microsoft-Produkten ist.