Mit einem vollautomatisierten System will Airbnb verhindern, dass in vermieteten Privatunterkünften unerlaubte Partys veranstaltet werden. Dazu analysiert das Unternehmen jetzt in einigen Ländern die Daten der Gäste.

Die Hochphase der Pandemie war für Airbnb keine gute Zeit. Der Tourismus ging in den Keller und deutlich weniger Unterkünfte wurden vermietet. Positiver Nebeneffekt: Dadurch gab es auch weniger Partys in angemieteten Locations. Seit August 2020 sind Partys in Airbnb-Unterkünften nämlich verboten.

Der Grund war hier in erster Linie der Infektionsschutz: Denn als Clubs und Bars geschlossen waren, verlagerten sich die Partys oft in Wohnungen und Häuser, die per Airbnb angemietet wurden. Nach Airbnb-Angaben hat das Verbot Wirkung gezeigt – angeblich sind die Partys dadurch um fast die Hälfte zurückgegangen.

"Nach Airbnb-Angaben hat das Verbot Wirkung gezeigt – angeblich sind die Partys dadurch um fast die Hälfte zurückgegangen."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Inzwischen hat sich die weltweite Infektionslage zwar ein wenig entspannt – doch das Partyverbot ist geblieben: Wer in Airbnb-Locations eine Party veranstaltet, wird temporär gesperrt oder komplett von der Plattform ausgeschlossen.

Viele Vermieter dürfte das freuen. Auch, dass das Unternehmen jetzt noch mehr gegen Partys in Häusern und Wohnungen tun will, wie unter anderem Futurezone berichtet.

Erhöhtes Party-Risiko erkennen

Airbnb will Buchungen erkennen, bei denen ein erhöhtes Party-Risiko besteht. Das Ganze soll vollautomatisch geschehen – durch die Analyse der Daten der User*innen: ihre positiven wie negativen Bewertungen, wie lange sie bereits auf Airbnb sind, wie weit die Unterkunft von ihrem Wohnort entfernt ist, wie lange der Aufenthalt dauert und ob gerade Wochenende ist.

"Wenn ein neuer Airbnb-User ohne Bewertungen für nur ein Wochenende eine Location mietet, die sich ganz in der Nähe des eigenen Wohnortes befindet, dann dürften bei Airbnb die Alarmglocken klingeln: Achtung, hohe Partygefahr."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Extrembeispiel: Wenn ein neuer User eine Unterkunft für ein Wochenende ganz bei sich in der Nähe bucht, dürfte der Automatismus höchstwahrscheinlich voll anschlagen.

Einschränkung der Buchungsrechte

In so einem Fall dürfen die Buchenden dann kein ganzes Haus mehr mieten, sondern nur noch einzelne Zimmer in Häusern oder Hotels. Natürlich wird dieser Automatismus wahrscheinlich nicht immer zu 100 Prozent fair sein – es ist eine gewisse Vorverdächtigung.

Andererseits fänden offenbar derart viele Partys in Airbnb-Locations statt, dass sich der Betreiber gezwungen sehe, etwas dagegen zu unternehmen. Der Schaden für die Vermieter*innen ist teilweise immens – von einer dreckigen Wohnung bis hin zu einem komplett verwüsteten Haus, das renoviert werden muss, hat es schon alles gegeben.

Eine Art Vorläufer der neuen Anti-Party-Strategie von Airbnb gab es schon zu Corona-Zeiten. Für das Jahr 2020 hat Airbnb dazu auch Zahlen veröffentlicht. Demnach wurden damals allein in der Stadt Dallas in den USA 7000 mutmaßliche Party-Buchungen geblockt. Weltweit sprechen wir also bestimmt von hunderttausenden Buchungen, hinter denen Partys vermutet und die daraufhin geblockt werden.

Haftung bei Schäden

Wenn ihr eine Unterkunft vermietet, solltet ihr euch vorher sehr genau mit den Haftungsfragen beschäftigen und auch bei den entsprechenden Versicherungen nachfragen. Außerdem ist es ratsam, eine Inventarliste der Wohnung zu machen und genügend Fotos von ihrem Originalzustand.

Dass Airbnb im Zweifelsfall alle Kosten übernimmt und sich die Vermieter überhaupt keine Sorgen machen müssen, wie es auf der Airbnb-Seite suggeriert wird, trifft nicht grundsätzlich zu. Denn wie immer gibt es Bedingungen und Ausnahmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man am Ende nicht auf den vollen Renovierungskosten sitzen bleibt, ist aber schon recht hoch.