Weil sie kaum Geld hatten und keine Wohnung fanden, sind Jill und Ole mit Anfang zwanzig auf ein ziemlich rustikales Hausboot gezogen. Aus der Notaktion wurde nach einigen Rückschlägen ein Lebensmodell. Heute leben sie noch immer auf dem Wasser, sind Hafenbetreiber, bauen und vermieten Hausboote.

Eigentliche war die ganze Sache eine Schnapsidee. Genauer genommen eine Weinidee. Und die kam von Oles Mutter. Als Ole und Jill Grigoleit in Hamburg mit dem wenigen Geld, das sie hatten, einfach keine Wohnung finden konnten, kam sie nämlich eines Abends auf diese Hausboot-Idee.

"Mein Vater ist Kapitän, und ich bin auch Matrose. Irgendwie war Wasser schon immer unser Element."
Ole Grigoleit, Hausbootbauer und Hafenbesitzer

Ole kam zu dem Schluss, dass die Idee doch gar nicht so doof war. Er musste nur noch Jill überzeugen, und dann ging es los: Auf Ebay ersteigerten sie sich im Grunde eine schwimmende Ruine – ein tonnenschwerer rostiger Stahlrumpf für einen Schrottpreis von rund 6000 Euro. Rückblickend sagen sie im Interview, wahrscheinlich war er nicht mal das wert. Sie hätten ebenso gut gleich ein neues Boot bauen können. Aber damals waren sie noch nicht so erfahren.

"Es waren 20 Tonnen Stahl. Ole hat mich damals damit überzeugt, dass er gesagt hat: Selbst wenn ich es nicht schaffe, kriegen wir nachher für den Rumpf noch den Stahlwert. Und dann kann man nicht so viel verlieren."
Jill Grigoleit, Hausbootbauerin und Hafenbesitzerin

Nach dem Kauf bereuten sie ihn erst mal. Denn die Überführung ihres Schrotthaufens entpuppte sich als ein behördliches und finanzielles Desaster. Aber nach und nach schwanden die Zweifel und die Idee nahm Gestalt an. Wenn auch beschwerlich: "Wir haben aus Ruinen, teilweise zusammengefallenen Häusern, Baumaterial ausgebaut, das wir dann dort eingebaut haben, weil wir wirklich überhaupt kein Geld hatten", erzählt Ole. Aber: Nach drei Monaten Bauzeit zogen Jill und Ole schon ein. Wieder aus der Not – denn es war Winter geworden und der Bulli zu kalt.

"Unser Hausboot, als wir es gekauft haben, war alles andere als Luxus. Das war nicht mal isoliert und hatte auch keinen Fußboden und keine Innenwände. Es war ein Haufen Schrott."
Jill Grigoleit, Hausbootbauerin und Hafenbesitzerin

Die ersten Wochen war das Klo noch auf einem Rollbrett montiert, damit man das "Bad" je nach Stand der Baustelle verlegen konnte. Geheizt wurde im Kamin. Das war alles sehr rustikal am Anfang, erinnern sie sich.

Acht Jahre ist das nun her. Heute hat ihr schwimmendes Zuhause 100 Quadratmeter auf zwei Stockwerken und sieht von außen wie ein rotes Schwedenhäuschen aus. Geheizt wird im Holzpellet-Ofen. Und: Es hat nicht mehr zwei, sondern mittlerweile vier Bewohner – Jills und Oles jüngere Tochter ist sogar auf dem Hausboot geboren.

"Also die meisten, die das erste Mal aufs Hausboot kommen, sagen: Man merkt ja gar nichts, das ist wie in einem normalen Haus. Außer, dass halt der Ausblick aus dem Fenster schöner ist."
Jill Grigoleit, Hausbootbauerin und Hafenbesitzerin

Aber nicht nur, dass die ganze Familie auf dem Wasser lebt, auch Jills und Oles Berufsleben hat sich durch das Hausboot neu orientiert. Auf der Suche nach einem Liegeplatz stießen sie durch pures Glück auf einen kleinen Hafen, der bald zum Verkauf stehen würde. Heute sind sie Hafenbesitzer und Hafenbetreiber, vermieten ein Hausboot als Feriendomizil und fangen gerade damit an, Hausboote für andere zu bauen – individuell und nach Maß.

Im Interview erzählen Jill und Ole noch viel mehr von ihrer Hausboot-Aktion. Zum Beispiel, wie es klingt, auf dem Wasser zu leben, und ob man seekrank wird oder nicht. Außerdem rätseln sie, welche unserer drei "Geschichten vom Pferd" erfunden ist. Wenn ihr das ganze Gespräch hören und mit raten wollt, klickt oben auf den Playbutton. Ihre ganze Hausboot-Story erzählen Jill und Ole übrigens auch in ihrem Buch Heimathafen.