Wenn wir etwas im Netz kaufen, verlassen wir uns gerne auf positive Bewertungen anderer Menschen, die dieses Produkt auch gekauft haben. Wenn diese Bewertungen gefälscht werden, funktioniert dieses System aber nicht mehr.

Menschen verlassen sich auf andere Menschen – ein Prinzip, das tief in unserer DNA verwurzelt ist. Bei Amazon wird mit diesem Prinzip Geld gemacht – es ist ein "Krieg der Sterne": Schätzungen gehen davon aus, dass jede fünfte Bewertung auf dem Portal gefälscht ist.

Doch wie finden die gefakten Bewertungen ihren Weg ins Netz? Dem c’t Magazin ist jetzt ein Datensatz eines sogenannten Amazon-Agenten zugespielt worden. Der Datensatz enthält 7000 gefakte Produktrezensionen.

Chat-Gruppen bei Telegram

Im Messengerdienst Telegram betreuen diese Agenten Chat-Gruppen, über die sie Fünf-Sterne-Bewertungen für Produkte beschaffen. Häufig geschieht das im Auftrag chinesischer Händler.

"Die Amazon-Agenten nutzen geschickt die Gier der Menschen aus – die Lust daran, etwas umsonst zu bekommen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die Agenten posten Produkte von Amazon-Verkäufern – etwa LED-Strips, Rauchmelder oder Netzadapter – und schreiben dazu, dass sie "Tester" dafür suchen. Im Gegenzug für eine Top-Bewertung könne man das Produkt danach behalten.

Nach den Recherchen von c't bestellen die "Tester" die Ware meist auf eigene Kosten und bewerten sie dann mit fünf Sternen. So wird zum Beispiel aus einer billigen Lichterkette mit Wackelkontakt ein "wunderschöner", "brillanter" und "magischer" Stimmungsgarant, von dem man "absolut begeistert" ist. Nachdem sie dem Agenten dann einen Screenshot der Bewertung samt Bestellnummer geschickt haben, überweist der dann den Kaufbetrag zurück.

No-Name-Produkte bis 50 Euro

Praktiziert wird dieses Geschäftsmodell laut c’t vor allem bei No-Name-Produkten bis zu 50 Euro. Von Mode über Elektronik bis hin zu Sexspielzeug kann das alles sein. Die "Tester" haben übrigens oft nicht mal mit einem realen Menschen Kontakt, sondern nur mit einem Bot.

"Die 'Tester' chatten häufig nicht einmal mit einem realen Menschen, sondern mit einem Bot."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Die Masche ist weit verbreitet, auch der SWR Marktcheck hat unter anderem dazu recherchiert.

Was Amazon gegen Fake-Rezensionen unternimmt

Amazon selbst geht eigenen Angaben zufolge mithilfe von KI und einem Budget von 400 Millionen Dollar pro Jahr gegen Fakebewertungen vor: Prüfteams lassen eine Software über mehr als zehn Millionen Rezensionen pro Woche laufen. Das sei aber insgesamt viel zu wenig Geld und Aufwand angesichts der Masse an Fake-Rezensionen, sagt Martina Schulte. Außerdem könnten ständig neue Telegram-Gruppen entstehen.

"Es ist wie oft beim Rennen von Hase und Igel: Selbst wenn Rezensionen gelöscht oder dubiose Telegram-Gruppen ausgehoben werden – dann entstehen woanders gleich wieder neue."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Das Problem hat am Ende der Kunde, der ein Produkt tatsächlich kaufen will. Am besten, man schaut selbst ganz genau hin.

Tipps, um Fake-Lob zu erkennen

  • Wenn ein Produkt unmittelbar nach Verkaufsstart schon hundert- oder tausendfach bewertet ist, ist das verdächtig. Denn wann soll es getestet worden sein?
  • Lobeshymnen treten oft innerhalb kurzer Zeit auf.
  • Ehrliche positive Bewertungen sind tendenziell kurz – ehrliche Kritik dafür eher lang und emotionaler. Bei ausufernden Lobeshymnen also besser zweimal lesen.
  • Ein Blick auf das Profil des Rezensenten kann helfen. Vergibt er durchgehend Fünf-Sterne-Lob, sollte man misstrauisch werden.

Auch Seiten wie Reviewmeta.com können helfen. Sie versuchen, gefälschte Bewertungen in Onlineshops zu entlarven, indem sie nach wortgleichen Sätzen, zu vielen positiven Rezensionen pro Tag oder auffälligen Benutzerprofilen Ausschau halten.