Provokation ist das Geschäft von Ex-Kickboxer Andrew Tate. Mit Frauenhass und Homophobie sammelt er auf Instagram zuletzt über vier Millionen Follower. Mit seinen Geschäftspraktiken und Verschwörungserzählungen scheffelt er Millionen. Jetzt hat Meta den Influencer gesperrt.

Noch vergangene Woche erreichte der Hashtag #Andrewtate bei Tiktok über 12,7 Milliarden Aufrufe, so Deutschlandfunk Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Obwohl Andrew Tate noch nicht einmal einen Account auf der Plattform besitzt.

Auf Instagram folgen dem US-amerikanisch-britischen Ex-Kickboxer 4,7 Millionen Menschen. Nicht nur dort protzt er gerne mit Zigarren und Luxusschlitten. Er polarisiert mit extremen Statements, wie zum Beispiel, dass Frauen nicht mehr als der Besitz von Männern seien. Damit soll zumindest auf Facebook und Instagram Schluss sein.

Meta zieht die Reißleine

Andrew Tate steht schon seit mehreren Jahren in der Öffentlichkeit. Er war Kandidat in der britischen Version von Big Brother – bis er rausgeschmissen wurde. Videos waren publik geworden, in denen er Frauen misshandelt haben soll. Später gaben alle Seiten an, das sei einvernehmlich gewesen.

"Frauen sind bei Andrew Tate – und das gibt er ganz offen zu – Besitzobjekte, die einzig und allein der Erfüllung seiner Bedürfnisse zu dienen haben."
Veronika Kracher, Autorin

Die Autorin Veronika Kracher, die sich unter anderem mit rechtsextremen und frauenfeindlichen Internetphänomenen beschäftigt, beschreibt Andrew Tate als extremen Frauenhasser. "Er befürwortet Gewalt in einer Beziehung, um Frauen zu kontrollieren", sagt Veronika Kracher. Tate äußert sich auch homo- und transfeindlich. Außerdem ist er ein enger Verbündeter zahlreicher bekannter Rechtsextremer.

Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs

Gegen Andrew Tate laufen derzeit in Großbritannien Untersuchungen wegen sexuellen Missbrauchs. Auch in Rumänien, wo er mit seinem Bruder wohnt, wird gegen ihn ermittelt – wegen Menschenhandels. Andrew Tate lebt zurzeit in Rumänien, weil man dort laut seinen eigenen Aussagen "leichter davonkomme", wenn einem Vergewaltigung vorgeworfen werde.

Das ganze Gespräch zu Andrew Tate mit Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Minh Thu Tran findet ihr hier im Audio. Es liefert Hintergründe zum Influencer und fand vor seiner Sperre durch Meta statt.
"Ich habe von einigen Männern gehört: 'Hey, was der sagt ist witzig! Klar, ein paar frauenfeindliche Dinge sind dabei, das finden wir auch nicht gut. Aber in einigen Dingen hat er ja auch Recht.' Das ist ein Problem."

An seinen Hassbotschaften, an seinen absurden und teils auch gefährlichen Aussagen, gab es schon lange Kritik; auch die Forderung, seine Accounts zu sperren. "Sein Verhalten verstößt eindeutig gegen die Netzwerkrichtlinien", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. "Trotzdem hat Meta erst jetzt – und damit, wie ich finde, sehr, sehr spät – die Reißleine gezogen und seine Accounts gelöscht."

Meta begründet die Sperre mit Verstößen gegen die Regeln zu "gefährlichen Organisationen oder Personen", das berichtet das US-Blog Mashable. "Man argumentiert hier mit den eigenen Nutzungsbestimmungen und nicht mit dem Verstoß gegen Gesetze aus der Offline-Welt", so Martina. Der Fall Andrew Tate zeige einmal mehr, dass Meta erst reagiere, wenn der öffentliche Druck massiv sei.

Auf Tiktok könnte Tate ein Phänomen bleiben

Tiktok hat laut Medienberichten den Account von Andrew Tate schon länger gesperrt, so Martina Schulte. Auf der Plattform hat der Influencer aber weiterhin reichlich Fans, die seine Inhalte fleißig weiterverbreiten. Laut eigenen Aussagen hat er ein paar "Super-Fans", die bis zu 300 seiner Videos pro Tag auf die Plattform hochladen. "Das liegt wohl auch daran, dass Tate seinen Fans erzählt, dass sie durch das Teilen seiner Videos viel Geld verdienen können.", sagt die Deutschlandfunk-Nova-Reporterin.

Andrew Tate unterhalte ohnehin ein fragwürdiges Geschäftsmodell, das er "Hustler University" nennt. Für zahlende Fans bietet er Kurse an und erteilt Business-Ratschläge. Über 100.000 Mitglieder hätten sich angemeldet, so Tate. Und diese Mitglieder wurden aufgerufen, seine Videos zu teilen.

Kontakt zur rechtsextremen Szene

Harmlos ist das alles nicht. Tate verbreitet in seinen Videos auch Verschwörungserzählungen. Beispielsweise erklärt er seinen Follower*innen, wie sie die "rote Pille" bekommen könnten: Dahinter steckt eine Anspielung auf die Matrix-Filme, darin befreit die rote Pille aus der Simulation.

"Die Red-Pill-Ideologie ist eine anti-feministische, anti-kommunistische und strukturell anti-semitische Verschwörungsideologie."
Veronika Kracher, Autorin

Diese Red-Pill-Ideologie besagt, dass wir in einer Welt leben, in der alle Männer systematisch vom Feminismus unterdrückt werden – und sich deswegen in überteuerten Kursen, wie Andrew Tate sie anbietet, ihre Männlichkeit zurückerobern müssen, so Veronika Kracher.

Die rechte Szene in den USA bedient sich ebenfalls dieser Roten-Pille-Metapher, so Veronika Kracher weiter. So ist es kaum überraschend, dass Andrew Tate zu den Trump-Unterstützern zählt. Er ist im Podcast von Verschwörungsideologen Alex Jones aufgetreten und erzählt in Interviews, was für ein toller Kerl der britische Neonazi Tommy Robinson doch sei.

Für Andrew Tate bleiben also weiterhin viele Kanäle, aber es sind ein paar weniger geworden.

Dieser Beitrag ist ein Update eines Artikels über Andrew Tate, der am 11. August 2022 erschien.