Das Gucken von Horrorfilmen und das Fahren in einer verrückten Achterbahn unterscheiden sich so sehr nicht: In beiden Fällen werden Angst-, tatsächlich aber auch Wohlfühlhormone ausgeschüttet.

Zugegebenermaßen war der streitbare Halloweenbrauch mit seinen Masken, Gruselverkleidungen und düster aussehenden Kürbissen Anlass für diese Frage, die wir an anderen Tagen aber mindestens genauso interessant finden: Warum gucken wir uns eigentlich gerne Horrorfilme an?

Manche Menschen bekommen beim Gucken von Horrorfilmen messbar Herzrasen, Schwindel, Schweißausbrüche und Atembeschwerden. Im Hirn schlägt unter anderem das Areal Amygdala Alarm. Aber ein bisschen Genuss ist auch dabei:

"Dann werden Angsthormone ausgeschüttet, aber auch Wohlfühlhormone, weil die in jeder Stresssituation automatisch ausgeschüttet werden. Wenn nachher alles gut ausgeht, werden Endorphine freigesetzt, wir fühlen uns gut."
Borwin Bandelow, stellvertretender Direkter an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Göttingen

Nach einem Horrortrip fühlen wir uns gut - und deshalb zahlen wir auch zehn Euro für das Kinoticket - oder auch die Achterbahn. Denn Angst, die aus einer vermeintlich echten Gefahr (aus der Kurve fliegen) resultiert, ist im Prinzip die gleiche, die wir auch beim Gucken von "The Ring" und Co. empfinden, obwohl wir hierbei sicher und unbeschadet im Kinosessel sitzen (Horrorfilm-Tipps hier).

Eine in einem Flugzeug schreit
© imago stock&people

"Dieses primitive Angstsystem kann nicht unterscheiden, ob das jetzt Studio Babelsberg ist oder Realität", sagt Borwin Bandelow, stellvertretender Direkter an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Göttingen.

Ein weiterer Aspekt beim Konsum von Horror: Das Gefühl, dass ich unbeschadet bleibe und eigentlich alles in Ordnung ist. Wir würden auch gerne über schreckliche Dinge im Nachbarort lesen, sagt Bandelow - sie lösen nämlich das Gefühl aus: "Ok, ich bin davon nicht betroffen."