In der EU sterben jedes Jahr 25.000 Menschen an Bakterien, die sich nicht mit Antibiotika bekämpfen lassen. Die meisten Opfer infizieren sich in Krankenhäusern.

Es ist schon ein paar Wochen her, da starb in den USA eine Frau an einer Infektion. Obwohl sie im Krankenhaus behandelt wurde: Sie bekam 26 Antibiotika und keins hat geholfen. Es gibt Bakterien, gegen die Wissenschaftler und Ärzte machtlos sind, und die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, hat nun eine Liste der gefährlichsten Antibiotika-resistenten Bakterien aufgestellt.

Resistente Keime können tödlich sein

Auf der Liste werden die drei gefährlichsten Keime als "kritisch" eingestuft. Sie reagieren kaum noch auf herkömmliche Antibiotika und können tödliche Krankheiten verursachen. Acinetobacter baumannii ist der schlimmste von allen. "Er ist mittlerweile gegen Reserveantibiotika resistent geworden, und er infiziert Wunden und Lungen in einem geradezu atemberaubenden Tempo", berichtet der Wissenschaftsjournalist Jörg Zittlau.

"2015 befiel Acinetobacter baumannii am Uniklinikum Kiel binnen weniger Tage 31 Patienten, zwölf von ihnen starben."
Jörg Zittlau, DRadio Wissen

Den größten Schutz gegen resistente Keime bietet: Hygiene. Pflegeheime und Krankenhäuser müssen sauber sein. Aber auch eure Küche solltet ihr penibel reinigen, denn auch ein Salmonellen-Stamm steht auf der WHO-Liste. Das bedeutet für euch, so Jörg Zittlau: "Rohe Lebensmittel nach dem Einkaufen sofort in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach, Speiseeis nach dem Auftauen nicht mehr essen, Fleisch und Gemüse auf unterschiedlichen Arbeitsunterlagen zubereiten."

Patienten müssen schnell in die Isolation

Die Liste der WHO hat zum Ziel, dass Krankenhäuser schnell erkennen, dass ein Patient sich einen solchen Keim eingefangen hat, und sie ihn so schnell wie möglich isolieren können. "Inwieweit das auch an den Krankenhäusern auch umgesetzt wird, ist eine andere Sache", sagt Jörg Zittlau "Die meisten tun es, aber einige auch nicht - und das reicht, um die Gefahr lebendig zu halten."

"Wir können multiresistente Keime verhindern, indem wir weniger Fleisch essen. Denn in der konventionellen Viehwirtschaft kommen unglaublich viele Antibiotika zum Einsatz, die wie ein Trainingslager für Bakterien sind."
Jörg Zittlau, DRadio Wissen

Die Suche nach neuen Antibiotika ist nicht einfach. Aber jeder von uns kann dazu beitragen, dass nicht noch mehr Resistenzen entstehen: Wir dürfen nicht mehr bei jedem Husten, bei Halsschmerzen oder der Mittelohrentzündung zum Arzt rennen und Antibiotika verlangen. Diese Beschwerden werden meistens sowieso von Viren verursacht - da helfen Antibiotika gar nicht.