Eine neue Studie aus München zeigt, dass die meisten Corona-Schnelltests eine Infektion mit der Omikron-Variante nicht zuverlässig erkennen. Was das für unseren Alltag bedeutet.

Vielen von uns dürfte folgendes Szenario nach knapp zwei Jahren Coronapandemie bekannt sein: Wir verspüren Erkältungssymptome und machen deshalb zur Sicherheit einen Antigen-Schnelltest, um eine Corona-Infektion auszuschließen. Auch wenn der Test negativ ausfällt, fühlen wir uns nicht ganz sicher.

Dass es sich dabei nicht nur um ein Gefühl handeln könnte, zeigt nun eine Studie der Universität München. Die kommt zu dem Ergebnis, dass acht der vom Paul-Ehrlich-Institut für frühere Virus-Varianten geprüfte Tests eine Omikron-Infektion schlechter nachweisen als eine mit Delta. Die Forschenden untersuchten dafür neun verschiedene Schnelltests.

"Wenn ich meine Großmutter schützen will, würde ich mich nicht drauf verlassen."
Kai Nagel von der TU Berlin zu Schnelltests

Dass Antigen-Schnelltests nicht immer zuverlässig sind, bestätigt auch Kai Nagel von der TU Berlin. Er erstellt Modelle zur Ausbreitung von Covid-19 und beschäftigt sich schon lange mit den Schnelltests. Nagel rät dazu, wenn möglich auf eigene Kosten einen PCR-Test zu machen, wenn eine Infektion wirklich ausgeschlossen werden soll.

Die Zuverlässigkeit von Schnelltests ändert sich mit jeder Virus-Variante

In der neuen Studie stellten die Forschenden fest, dass bei manchen Tests hundert Mal mehr Omikron-RNA in der Probe sein musste, damit der Test anschlug.

Deshalb fordern die Wissenschaftler*innen, dass den Menschen deutlich gesagt wird, dass die Schnelltests nur bedingt aussagekräftig sind.

"Es reichen etwa 1000 Viruspartikel, um jemanden anzustecken. Die Viruslast, die für einen positiven Schnelltest nötig ist, liegt aber etwa tausend Mal höher."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Münchner Studie zeige, dass sich die Lage mit jeder neuen Virusvariante ändere, sagt Kai Nagel. "In den Modellen zu Anfang der Pandemie haben wir mit einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit gerechnet, dass ein Schnelltest eine Infektion entdeckt", so der Wissenschaftler.

Was damals funktioniert habe, haue inzwischen offenbar nicht mehr hin, meint er. In der Münchner Studie entdeckte der beste Schnelltest bei mittlerer Viruslast nur acht Prozent der positiven Fälle.

Die Forschenden fordern nun, dass möglichst schnell alle Tests vom Markt genommen werden, die bei der Omikron-Variante nicht mehr funktionieren. Außerdem fordern sie eine neue Liste von Tests, die noch empfehlenswert sind. Das Paul-Ehrlich-Institut, das dafür zuständig ist, will in der kommenden Woche neue Daten veröffentlichen.