Überraschende Gespräche unter Fremden sind in Zeiten der Corona-Pandemie selten geworden. Zwei amerikanische Künstler haben deshalb eine Chat-App für Menschen in Isolation entwickelt. Quarantine Chat soll weltweit Menschen in Verbindung bringen.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs hat Quarantine Chat (QC) ausprobiert. Einmal registriert und los. Die App hat sie so ein- bis zweimal am Tag angerufen, erzählt sie.

Gesprächsthemen-Vorschläge von der App

Wenn sie ranging, hörte sie eine Dosenstimme, die ihr vorschlug, über welches Thema sie mit der unbekannten Person reden könnte – zum Beispiel darüber, was sie sieht, wenn sie aus ihrem Fenster schaut, oder was sie nach dem Lockdown machen will.

"Your prompt today is to go look out the window and describe what you see to your partner."
Vorschlag der Quarantine App für ein Gesprächsthema

QC läuft auf Englisch – als Weltsprache sozusagen. Wenn du dich anmeldest, erklärt Grit, kannst du aber deine Muttersprache angeben. Die meisten Anrufe, die sie hatte, waren dann auch von deutschsprachigen Menschen.

"We simulate the magic of having a surprise conversation with someone – something that is becoming increasingly rare during the times of a viral epidemic."
Mission-Statement von Quarantine App

Die amerikanische Künstlerin Danielle Baskin aus San Francisco und ihr Kollege Max Hawkins aus Los Angeles haben sich die App ausgedacht. Ihre Idee: die Magie eines überraschenden Gespräches mit einem Fremden online möglich zu machen – etwas, das während der Pandemie zunehmend selten werde.

"Ich lebe in Wien. Wir haben seit kurzem Maskenpflicht in Supermärkten und Öffis. Ich bin echt keine Maskenfreundin. Ich bin Brillenträgerin, und das ist absolut unmöglich mit so ner Maske rumzulaufen – die Brillengläser beschlagen ständig."
Corinna aus Wien, Teilnehmerin bei Quarantine Chat

Da war zum Beispiel Corinna aus Österreich, mit der unsere Reporterin die unterschiedlichen Ideen diskutierte, wie das Virus eingedämmt werden könnte.

Chatten mit Fremden gegen Alleinsein

In dem längeren Gespräch merkte sie schnell, dass die Situation für Corinna, die alleine wohnt, im Moment nicht einfach ist. Viele Gespräche bleiben aber auch beim Smalltalk.

"Vor allem dieses lange Osterwochenende ist etwas abseits der Norm. Es macht mich halt auch traurig, meine Familie nicht zu sehen."
Corinna aus Wien, Teilnehmerin bei Quarantine Chat
Eine Frau mit selbstgenähter Atemschutzmaske und Brille guckt in die Kamera.
© privat
Corinna aus Wien, Teilnehmerin von Quarantine Chat

Auch mit Lukas, einem Gymnasiallehrer aus Bern, chattete Grit. Die beiden stellten dann schnell fest, dass sie eine gemeinsame Bekannte haben: Corinna aus Wien. Offenbar sind doch nicht so viele deutschsprachige Menschen in der App angemeldet.

In den USA und in Kanada gibt es bereits mehr Teilnehmer als in Europa, sagt Grit. Aber das ließe sich ja ändern: Quarantine Chat ist kostenlos und gibt's im Appstore oder bei Googleplay.