Sie beißen Bienen den Kopf ab und vernichten ganze Bienenvölker: die asiatischen Riesenhornissen. Sie sind normalerweise nur in China und Japan zu finden. Jetzt wurden sie erstmals in Washington gesichtet. Die amerikanischen Bienen können sich nicht wehren.

Riesenhornissen wurden wohl als blinde Passagiere in Schiffscontainern von Asien nach Nordamerika eingeschleppt. Nicht nur die amerikanischen Imker läuten nun die Alarmglocken. Die Insekten sind auch für den Menschen gefährlich.

Größte Hornisse der Welt

Die asiatische Riesenhornisse ist die größte Hornisse der Welt. Sie wird bis zu 5,5 Zentimeter lang und hat eine Flügelspannweite von bis zu neun Zentimetern. Damit ist sie etwa fünfmal so groß wie eine Biene.

Auch Hornissen leben in Völkern mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen. Riesenhornissen sind sogenannte Raubinsekten. Am liebsten essen sie: Bienen.

"In den USA werden sie auch 'Killer Hornets' bezeichnet, weil sie sich mit großer Brutalität und ungeheurer Effizienz über Bienenvölker hermachen."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Und das machen sie nicht nur brutal, sondern auch sehr schnell. Zunächst beißen die Hornissen mit ihren scharfen Mundwerkzeugen den Bienen den Kopf ab und verfüttern anschließend den Rumpf an ihren Nachwuchs - oder fressen ihn selbst.

Eine einzige Riesenhornisse kann bis zu 40 Bienen in einer Minute töten. Eine Gruppe von 30 Hornissen kann innerhalb von nur 4 Stunden ein Bienenvolk mit 30.000 Tieren auslöschen, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte Mario Ludwig. Deshalb ist dieser tierische Invasor in den USA von den Imkern sehr gefürchtet.

Westliche Bienen haben keinen Abwehrmechanismus

Gegen ihre riesigen Feinde können sich die Bienen auch mit ihrem Stachel nicht durchsetzen. Denn mit ihrem verhältnismäßig kleinen Giftstachel kommen sie nicht durch die Panzerung der Hornissen hindurch.

Die in Japan heimische Östliche Honigbiene hat dagegen eine Technik im Repertoire, um mit den Riesenhornissen fertig zu werden.

Mit "Heatballing" den Feind besiegen

Wenn die Östlichen Honigbienen in ihrem Stock eine der riesigen Hornissen entdecken, stürzen sich hunderte von ihnen auf den Feind und bilden mit ihren Körpern ein dichtes Knäuel um die Hornisse herum, erklärt Mario Ludwig.

Dadurch erhöhen sie die Körpertemperatur der Hornisse so lange, bis diese den Hitzetod erleidet. Das dachte man zumindest bisher.

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass auch die erhöhte Kohlenstoffdioxidkonzentration in der Hitzekugel dazu beiträgt, dass die Hornisse stirbt. Die Westliche Honigbiene, die in Europa und Nordamerika weit verbreitet ist, kennt diese Strategie nicht.

"In Japan sterben jährlich zwischen 30 und 50 Menschen an den Stichen der Asiatischen Riesenhornisse. Und das sind bei weitem nicht alles Allergiker."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Doch nicht nur für die westlichen Honigbienen kann ein Zusammentreffen mit dem riesigen Insekt tödlich enden. Das Gift der Asiatischen Riesenhornisse ist so potent, dass etwa 50 Stiche ausreichen, um bei einem Menschen einen tödlichen Nierenschaden hervorzurufen, sagt Mario Ludwig.

Außerdem ist der Stachel der Hornissen rund einen halben Zentimeter lang. Damit können sie einen Imkerschutzanzug durchstechen.

Der Schmerz, den der Stich dieser Hornisse verursacht, ist gewaltig. Aber: Die Riesenhornissen sind eigentlich nicht besonders aggressiv. Nur zu nah an einen Hornissen-Stock sollte man nicht herantreten.

Fallen sollen Ausbreitung verhindern

Um gegen die Invasoren anzugehen, will man in den USA nun spezielle Fallen aufstellen. Dafür sollen Gefäße gefüllt mit einer Mischung aus Reiswein und Orangensaft in Bäumen aufgehängt werden, um Hornissen und andere Hautflügler anzulocken.

So wollen die Insektenkundler herausfinden, in welchen Gebieten die Hornissen bereits vorkommen und sie dort gezielt mit Insktiziden bekämpfen.

Übrigens: In Deutschland wurde die Riesenhornisse bisher noch nicht gesichtet. Doch auch hier gibt es eine invasive Hornissenart: Die Asiatische Hornisse. Sie ist allerdings viel kleiner, weniger giftig und nicht so gefährlich.