Es wäre so schön, wenn wir aus Frankreich in diesen Tagen nur über Fußball berichten könnten. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. In den vergangenen Tagen haben vor allem Hooligankrawalle für Schlagzeilen gesorgt. Und jetzt das: In einem Ort bei Paris hat ein Mann einen Polizisten vor dessen Haustür mit mehreren Messerstichen erstochen. Auch die Frau des Polizisten ist tot. Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen.

Das Ganze ist am späten Abend in Magnanville passiert, einem Vorort 55 Kilometer westlich von Paris. Dort soll ein Mann erst den Polizisten vor dessen Haustür mit mehreren Messerstichen erstochen haben. Dann hat er sich stundenlang in der Wohnung des Polizisten verschanzt und seine Familie als Geisel genommen. Spezialeinsatzkräfte der Polizei haben zuerst versucht, mit dem Mann zu verhandeln. Als das nichts gebracht hat, haben die Polizisten die Wohnung gestürmt und den Geiselnehmer erschossen, berichtet der zuständige Staatsanwalt von Versailles.

"Als die Einsatzkräfte in das Haus eindrangen, fanden sie den Körper seiner Frau. Und ein Kind von drei Jahren, das unter Schock stand, aber unverletzt war."
Französischer Staatsanwalt

Die Frau des getöteten Polizisten hat auch im Polizeidienst gearbeitet, als Sekretärin.

Zusammenhang mit dem IS

Mehrere Medien berichten, dass der Mann sich zum IS bekannt hat, als er im Haus des Polizisten war und mit der französischen Polizei verhandelt hat.

"Zeugen haben sich gemeldet, die berichten, dass der mutmaßliche Täter 'Gott ist groß' auf arabisch gerufen hat, als er den Polizisten erstochen hat."
Anne Cuber, DRadioWissen Nachrichten

Auch der IS selbst hat sich zur Tat geäußert. Darüber berichtet der US-Dienst Site, der sich auf die Beobachtung von Extremisten im Netz spezialisiert hat. Site zitiert die Nachrichtenagentur Amaq, die als Sprachrohr des IS gilt. Und sie meldet: "Kämpfer des Islamischen Staats tötet Vizechef der Polizeistation von Les Mureaux und dessen Frau mit Stichwaffen nahe Paris."

Vorbestrafter Täter?

Der mutmaßliche Täter war 25 Jahre alt. Er soll wegen Terrorismus vorbestraft gewesen sein. Das berichten französische Medien und berufen sich auf Ermittlerkreise. Danach wurde er 2013 zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er zu einem Ableger einer französisch-pakistanischen Dschihadisten-Gruppe gehörte und Terrorakte geplant haben soll.

Der Terrorismusexperte Rolf Tophoven sieht im Interview mit dem Deutschlandfunk einen neuen gefährlichen Trend, nämlich, dass radikalisierte Einzeltäter sich sozusagen den Stempel IS aufdrücken. Und das, sagt Tophoven, macht diese möglichen Täter noch mal gefährlicher für die Öffentlichkeit - und für die Polizei schwieriger einzuschätzen.

Französische Regierung spricht von "Terrorakt"

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hat das Attentat einen "Terrorakt" genannt. Er war bei einer Sondersitzung im Elyseepalast dabei, die Präsident François Hollande einberufen hat. Der Präsident selbst hat die Tat ein "abscheuliches Drama" genannt und versprochen, dass alles vollständig aufgeklärt wird. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt.