Während viele Menschen auf der Welt noch nicht einmal die erste Impfung bekommen haben, soll in Großbritannien bald die dritte Impfung starten. Diese Auffrischung ist laut vieler Virologen auch notwendig, um weiterhin gegen das Virus geschützt zu sein.

Die EU hat gerade nochmal 1,8 Milliarden weiterer Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer nachbestellt, die bis 2023 geliefert werden sollen. Zum einen, da Kinder ab zwölf Jahren ab dem Sommer geimpft werden dürfen und zum anderen, damit auch bald die erste Runde von Impfauffrischungen stattfinden kann.

Denn viele Virologinnen und Virologen rechnen damit, dass die Impfung gegen das Coronavirus mit der Zeit ihre Wirkung wieder verlieren wird, so wie Studien bereits jetzt zeigen, dass auch Genesene nach neun Monaten immer weniger Antikörper gegen das Virus besitzen.

"Viele Virologen erwarten, dass der Schutz, den man durch die Impfung bekommt, mit der Zeit nachlässt."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Wie lange die Wirkung einer Impfung genau anhält, kann allerdings erst festgestellt werden, wenn man eine größere Anzahl von Menschen untersucht hat, die vor einem halben bis ganzem Jahr geimpft wurden, erklärt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori.

Neue Impfstoffe gegen Virus-Mutationen

Ein weiterer Grund, warum es eine dritte, – oder im Fall des Impfstoffes von Johnson&Johnson eine zweite Impfung geben könnte – sind die Mutationen, die sich in Südafrika oder Brasilien verbreiten. Denn die aktuellen Impfstoffe schützen zwar auch gegen diese Varianten, aber mit geringerer Wirksamkeit. Deshalb arbeiten die Imfpstoffhersteller Moderna und Biontech/Pfizer bereits an einer Anpassung ihrer Impfstoffe.

"Die Impfstoffhersteller Moderna und Biontech/Pfizer arbeiten schon daran, ihre Impfstoffe an die neuen Varianten aus Südafrika oder Brasilien anzupassen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Da beide Hersteller mit mRNA-Impfstoffen arbeiten, geht die Anpassung vergleichsweise schnell, erklärt Christina Sartori: Zwei Monate braucht es, um den Impfstoff zu verändern, weitere zwei Monate dauert es, bis der Impfstoff an Probandinnen und Probanden getestet und von den Behörden freigegeben werden kann.

Das ist vor allem für die Länder Brasilien und Südafrika sehr wichtig, da mit den Impfungen auch verhindert wird, dass sich das Virus weiterverbreitet und dadurch weitere, gefährlichere Mutationen entstehen.

"Durch die Impfung wird eben auch verhindert, dass das Virus sich gut verbreitet und dann wieder neue, gefährlichere Mutationen entstehen."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Eine Anpassung an die britische Variante, die wir hier in Europa hauptsächlich haben, ist nicht nötig. Studien aus Israel und Katar zeigen, dass die Impfstoffe gegen die Variante B.1.1.7 ähnlich gut wirken wie gegen das ursprüngliche Virus. Sollten sich die Varianten aus Brasilien oder Südafrika auch in Europa weiterverbreiten, könnte auch bei uns eine Impfstoffanpassung notwendig sein, sagt Christina Sartori.

Unterschiedliche Probleme bei der weltweiten Impfverteilung

Stimmen, die sich dafür einsetzen, dass erstmal die ganze Welt eine erste und zweite Impfung bekommt, bevor Teile der Welt schon mit einer dritten Impfung starten, hat Christina Sartori bisher nicht wahrgenommen. Beim Impfen denke dann doch jeder zuerst an sein eigenes Land, sagt sie.

Allerdings haben ärmere Länder nicht nur das Problem, an Impfstoff zu kommen, sondern auch teilweise das Problem, die vorhandenen Dosen vollständig zu verimpfen. Zudem fehlt es in manchen Ländern auch an der Infrastruktur und Logistik, um beispielsweise den Impfstoff von Biontech/Pfizer bei Minus 60 bis 80 Grad durchgehend kühlen zu können.

Eine Patentrechtsaussetzung bringt nicht mehr Impfstoffe

Eine Aussetzung des Patentrechtes würde laut Christina Sartori nicht dazu führen, dass wir in den kommenden zwei Jahren schneller und mehr Impfstoffe auf dem Markt hätten. Denn vor allem die Herstellung von mRNA-Impfstoffen sowie Vektorimpfstoffen ist hochkomplex. Man könne weder in einem halben Jahr eine Anlage für die Impfstoffherstellung bauen, noch in dieser kurzen Zeit hochqualifiziertes Personal ausbilden.

"Das Aussetzen des Patentrechtes würde innerhalb eines Jahres oder zwei oder noch länger keine einzige zusätzliche Dose bringen, jedenfalls nicht von den mRNA-Impfstoffen oder Vektorimpfstoffen wie Astra Zeneca."
Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori über die Aussetzung des Patentrechtes

Deutlich effektiver wäre es, wenn Länder wie die USA oder Großbritannien mehr exportieren würden. So hält die USA beispielsweise wichtige Zutaten für die Impfstoffe komplett zurück. Hier sieht Christina Sartori derzeit das größte Problem.