Vorwurf: Aufruf zu Kritik am Staat

Russland schüchtert Musiker ein

In Russland werden zur Zeit ausgewählte Musiker unter Druck gesetzt. Ihre Konzerte werden abgesagt, der Rapper Husky (unser Bild) wurde sogar für einige Tage festgenommen. Vorwurf: Die Musiker sollen in ihren Texten zu Gewalt und Extremismus aufgerufen haben. Sie kritisieren aber auch den russischen Staat.

Seit Ende September werden russische Rapper, Hip-Hopper und auch Elektro-Musiker von staatlicher Seite an der Ausübung ihres Berufes gehindert, berichtet Russland-Korrespondent Thielko Grieß: Konzerte wurden verboten und Clubbetreiber wurden unter Druck gesetzt.

Die Musiker sind dann teilweise auf alternative Veranstaltungsorte ausgewichen und haben ihre Fans über Telegram dorthin eingeladen. Aber auch da stand dann relativ schnell die Polizei vor der Tür. Mal wurde der Strom abgestellt, mal wurde die Altersgrenze hochgesetzt und alle 16- und 17-Jährigen mussten das Konzert verlassen.

"Husky" muss ins Gefängnis

Der Rapper Husky (bürgerlicher Name: Dmitry Kuznetsov) wurde sogar für zwölf Tage festgesetzt (unser Bild oben). Er durfte das Gefängnis in Krasnodar aber etwas früher verlassen.

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Die Songs der Rapper thematisieren häufig die Suche nach der eigenen Identität oder die innere Unruhe, außerdem Themen wie Ziel- und Zügellosigkeit. Nicht selten haben die Songs derbe Texte und drehen sich um Sex und Gewalt.

"In ihrer Musik besingen die russischen Rapper nicht die Schönheit der Heimat und der dortigen Blumenwiesen. Häufig geht es um Sex und Gewalt."
Thielko Grieß, Russland-Korrespondent

Einige Songs haben auch dezidiert politische Inhalte: Noize MC (bürgerlicher Name: Ivan Aleksandrovich Alekseev) etwa hat schon gegen Wahlfälschung gesungen und ist in der Ukraine aufgetreten, wo er sich auch pro-ukrainisch geäußert hat. Manche Medien nennen ihn "Russlands mutigsten Rapper".

Politische Songs gegen die russische Staatsführung

Die Elektronik-Gruppe Icepeak besinge in ihren Songs unter anderem die Polizeigewalt in Russland, sagt Thielko Grieß. All das sei der russischen Staatsmacht ein Dorn im Auge.

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Alles in allem gebe es für die Verbotswelle zwei Gründe, sagt Thielko:

Zum einen die manchmal in der Tat klare Gewaltdarstellung. In einer Schule in der Stadt Kertsch auf der Krim hat es im Oktober einen Amoklauf gegeben, bei dem ein Schüler 20 Menschen tötete. Die Regierung hatte das unter anderem mit Filmen und Musik erklärt, die zu Gewalt aufrufen.

Zum anderen setze der russische Staatsapparat mit seiner ganzen Ideologie und Erziehung sehr auf Einheitlichkeit und Heroismus, so unser Korrespondent. Betont werden solle vor allem die "Großartigkeit Russlands" und die "politische Unfehlbarkeit der Führung". Die Musiker sagten und machten allerdings genau das Gegenteil davon.

"Verbote sind kein Mittel, um Unmut zu besänftigen - im Gegenteil, man schürt ihn."
Thielko Grieß, Russland-Korrespondent

Der Protest der Fans im Netz gegen die Absage der Konzerte ist groß. Angeblich sollen die Konzerte jetzt weniger häufig verboten werden.