Bücher haben ihren eigenen Charme – Eselsohren und Kaffeeflecken sei Dank. Klappen wir sie auf, können wir am Geruch erahnen, wo sie schon einmal waren. Aber: In unserer digitalen Welt stirbt das gute alte Buch immer mehr aus. In ihrem Vortrag erklärt Schriftstellerin Annette Pehnt, warum wir das gebundene Buch weiterhin brauchen.

Sechs Millionen Leserinnen und Leser entscheiden sich weder in der Buchhandlung noch online für das Buch aus Papier – anders als vor wenigen Jahren noch. Kleinkinder wischen heute über die Seiten ihrer Bilderbücher: Sie haben nicht gelernt, wie Umblättern funktioniert. Wo sind wir angekommen mit dem, was uns Gutenberg einst ermöglicht hat? Verliert das Buch seine Leserinnen?

Ja, offenbar ist das ein schleichender Prozess. Laut der Autorin und Professorin Annette Pehnt leben wir in einer Übergangsphase zwischen klassischen Büchern auf Papier und elektronischen Displays. Aber: Mit mobilen Screens assoziieren wir keine Erinnerungen, glaubt sie. Aus einem E-Book rieselt zum Beispiel kein Sand, der uns den letzten Urlaub am Meer ins Gedächtnis ruft.

"Bücher speichern unsere fettigen Fingerabdrücke, den Sand, der zwischen die Seiten geraten ist und die gepresste Blume der romantisch veranlagten Vorbesitzerin."
Annette Pehnt, Schriftstellerin

Anders als viele andere feiert sie nicht die barrierefreien und schnellen Möglichkeiten der Digitalität, die ein Ende der analogen Schriftkultur bedeuten könnten. Die Schriftstellerin singt in ihrem Vortrag ein Loblied auf das Buch. Aussterben wird es nicht, glaubt Annette Pehnt.

Das Buch aus Papier bleibt als Kunstobjekt

Ihre These: Wir brauchen es weiterhin als Kunstobjekt, als kulturbürgerliches Relikt und als begehrtes Sammelobjekt. Und so bleibe es das, was es schon immer war: ein Stapel kleinformatiges Papier, geleimt oder gebunden, mehr oder weniger bedruckt mit mehr oder weniger schwarzer Tinte, sagt die Autorin.

Anette Pehnt ist Schriftstellerin und Professorin für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Gesprochen hat sie auf einer Veranstaltung des Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur am 5. Februar 2019 über ihr Thema "Das Buch-Ding".