16 Tennisspieler aus der Top 50 Weltrangliste sollen Spiele manipuliert haben, das berichtet die BBC. Ganz neu sei dieses Thema nicht, sagt Sportredakteur Matthias Friebe.

Es hat schon immer Gerüchte gegeben, dass Spieler jenseits der Top 200 oder 300 empfänglicher für Wettmanipulation sein könnten, weil deren Verdienst nicht so hoch ist, sagt Matthias Friebe. Auffällig an dem Bericht der BBC sei allerdings, dass Topspieler an den Wettmanipulationen teilgenommen haben. "Die BBC hat Informationen vorliegen, die aus dem Inner Circle des Tennis kommen", sagt Matthias Friebe.

"Dass Topspieler dabei sind - angeblich soll ein Spieler dabei sein, der schon einmal ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat - ist sicherlich eine neue Qualität, wenn es denn stimmt."
Matthias Friebe über den aktuellen Tennis-Wettskandal

Namen sind noch nicht bekannt

Für die Manipulation eines Matches würden einem Spieler zwischen 50.000 und 100.000 Pfund angeboten, erzählt Matthias Friebe. Für Spieler jenseits der Top 200 sei das ein lukratives Geschäft. Namen von Topspielern werden in dem BBC-Bericht noch nicht genannt, weil die Vorwürfe zunächst geprüft werden sollen.

Der serbische Tennisspieler und Weltranglistenerste Novak Djokovic hat sich heute zu den Vorwürfen geäußert und erzählt, dass er über einen Mittelsmann schon einmal eine Anfrage gehabt habe, ein Match zu manipulieren, die er abgelehnt habe. Und die deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic erklärte, dass die Preisgelder bei vielen Turnieren so niedrig seien, dass es sich für manche Spieler wohl eher lohne, Wetten zu manipulieren.

Wo Wetten sind, ist auch Manipulation

Die Vorwürfe gibt es im Tennis schon länger, sagt Matthias Friebe: 2007 hat der russische Tennisspieler und damals Weltranglistenvierte, Nikolai Davidenko, gegen einen unterklassigen Spieler verloren, indem er am Ende des Spiels aufgegeben hat. Ausgerechnet bei diesen Spiel seien hohe Wetteinsätze getätigt worden. Und im August 2015 sind zwei italienische Tennispieler gesperrt worden, einer davon lebenslang. "Es passt in das Bild, dass es Wettsyndikate aus Russland und Italien sind", sagt Matthias Friebe.

Im Tennis ist es leichter als im Fußball, Spiele zu manipulieren, sagt Matthias Friebe:

  • eine Spielmanipulation ist im Tennis schwer zu überprüfen, weil im Tennis nur ein Spieler bestochen werden muss
  • bei Onlinewetten kann nicht nur auf Sieg oder Niederlage gesetzt werden, sondern auf viele Spieldetails
Matthias Friebe über Wettmöglichkeiten im Tennis
"Man kann zum Beispiel darauf wetten, dass es im 3. Satz beim Stand von 3 zu 3 es plötzlich "40 - 40" stehen muss beim Aufschlagspiel oder dass einer zwei Doppelfehler hintereinander machen muss. Im Match fällt das niemanden auf, wenn der Spieler genau diesen Fehler macht."

Besonders anfällig für Wettmanipulation sind die klassischen Sportarten, in denen viel Geld verdient wird und in denen es möglich ist, das zu vertuschen. Dazu gehören Tennis, Fußball und in England Cricket.