Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir es uns nicht leisten können, nicht politisch zu sein, findet Autorin Linda Sabiers. Das überträgt sie auch auf ihre Freundschaften und kann wenig mit Leuten anfangen, die moralisch nicht auf ihrer Linie sind.

Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir uns verändern, sich andere Meinungen verstärken und wir feststellen: Hey, irgendwie denken meine Freundinnen und Freunde ganz anders. Das kann eine gute Erfahrung sein und zu lehrreichen Diskussionen führen – oder zum Ende von Freundschaften, wie das zum Teil bei Autorin Linda Sabiers der Fall war.

"Ich will meine Zeit mit Leuten verbringen, mit denen ich mich ideell, moralisch und ethisch in einem Spektrum bewege."
Linda Sabiers, Autorin

Bei Gesprächen mit männlichen Freunden sei ihr aufgefallen, dass diese über Feminismus die Nase gerümpft und beispielsweise Fakten zur ungleichen Bezahlung zwischen den Geschlechtern geleugnet haben. "Mit einigen dieser Jungs habe ich jetzt nichts mehr zu tun", erzählt Linda. Je älter sie werde, desto wichtiger seien ihr bestimmte Punkte in Freundschaften. Zum Beispiel, sich "ideell, moralisch und ethisch in einem Spektrum" zu bewegen.

Unterschiedliche Meinungen sind ok, aber das moralische Spektrum muss stimmen

Trotzdem findet die Autorin, dass Freundschaften mit unterschiedlichen Meinungen funktionieren können. Sie habe einen sehr heterogenen Freundeskreis, in dem auch viel diskutiert werde: "Ich habe einen Freund, der ist Makler. Wir haben völlig unterschiedliche Meinungen zum Mietendeckel. Und das ist ok."

"Der Luxus, nicht politisch sein zu müssen, ist vorbei."
Linda Sabiers, Autorin

Auch politisch dürfen sich befreundete Menschen uneinig sein, aber bei "Nächstenliebe, Respekt vor Menschen, denen es nicht so gut geht und der Gleichstellung der Frau" müsse es für sie eine Übereinkunft geben, sagt Linda Sabiers. In einer von Populismus geprägten Zeit könne man sich nicht erlauben, unpolitisch zu sein.

Eigene moralische Vorstellungen werden zum Filter beim Kennenlernen

Durch diese eigenen Regeln habe sie sich schon von manchen alten Freundschaften verabschiedet. Aber auch beim Kennenlernen von neuen Leuten beeinflussen sie Linda: "Ich checke schon ab, wie steht die Person eigentlich zur Flüchtlingspolitik."

Grundsätzlich könne sie einen großen Radius unterschiedlicher Meinungen vertragen, aber eben nur innerhalb ihrer Grenzen: "Wenn ich auf rassistische oder antifeministische Leute treffe, dann kann ich nicht mit denen befreundet sein."