Badeanzug, Bikini oder Burkini: Aufregung um die vermeintlich falsche Badeklamotte gab es schon vor mehr als 100 Jahren. Früher wurde den Gesetzgebern zu viel gezeigt, heute gibt es Ärger, wenn man zu wenig zeigt.

Im Jahr 1907 wurde die australische Schwimmerin Annette Kellermann wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses an einem Strand in den USA festgenommen. Ihr Vergehen: Sie wollte in einem eng anliegenden Männer-Schwimmanzug ins Wasser - weil ihr die übliche Bademode für Frauen zu unpraktisch war. Die schwammen damals nämlich in Baumwoll-Kleidern.

"Nur 100 Meter im Damenkostüm zu schwimmen ist so anstrengend, wie einen ganzen Kilometer schwimmen im Männerbadeanzug."
US-Schwimmlehrer Edwin Sandy um das Jahr 1900

Aber nicht nur Frauen wurde das Badeleben schwer gemacht. Auch Männer mussten sich mit Bademoden-Vorschriften herumschlagen.

"Männer dürfen öffentlich nur baden, falls sie wenigstens eine Badehose tragen, die mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist", heißt es im sogenannten "Zwickelerlass" des preußischen Innenministeriums von 1932. Ein Zwickel ist übrigens ein keilförmiger Einsatz an der Vorderseite der Badehose.

Polizisten am Strand? Nix Neues!

Offiziell hieß die Vorschrift "Badepolizeiverordnung". Polizisten, die am Strand Patrouille laufen und Leute wegen ihrer Kleidung anmeckern, gab es also auch früher schon.

"In sogenannten Familienbädern haben Männer einen Badeanzug zu tragen."
Auszug aus der preußischen Badepolizeiverordnung

Frauen durften in den 1930er Jahren nur baden, wenn sie einen Badeanzug trugen, der "Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist." Der Rückenausschnitt des Badeanzugs durfte außerdem nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen, hieß es in der preußischen Badepolizeiverordnung.

Trotz der strengen Vorschriften konnte aber niemand den Durchbruch des Bikinis verhindern. Der wurde im Jahr 1946 als "kleinster Badeanzug der Welt" beworben und sorgte natürlich erst einmal für den nächsten Aufreger am Strand.

"Es ist wohl nicht notwendig, ein Wort über den sogenannten Bikini zu verlieren. Ist es doch undenkbar, dass ein Mädchen mit Takt und Anstand je so etwas tragen könnte."
Herausgeberin der Zeitschrift "Das moderne Mädchen"

Nach einem anfänglichen Skandal durch den knappen Zweiteiler ist der Bikini heute die Standard-Badebekleidung für Frauen - jedenfalls in Europa. Sogar Oben-ohne ist vielerorts kein Problem mehr. Stattdessen sorgen lange Ärmel heute für Aufregung.

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