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Fast sieben Prozent der Berliner Stadtfläche sind Gewässer. Berlin hat über 140 Fluss-Kilometer, 80 Kilometer Kanäle und mehrere Dutzend Seen. Optimal für Fische wie Angler, sollte man meinen, oder? Robert Arlinghaus angelt selbst leidenschaftlich gern – und als Fischereiprofessor schaut er sich an, was das Leben in der großen Stadt mit nachhaltiger Fischerei zu tun hat.

1786 wurde der letzte Lachs in Berlin gesichtet. Heute erscheint es fast unglaublich, dass dieser zwischen Flüssen und Meer wandernde Fisch mal heimisch bei uns war. Ihn wieder ansiedeln zu wollen, wäre zwecklos – Wehre, Schleusen und Querverbauungen machen das unmöglich. Wir Menschen haben die Stadtgewässer fundamental verändert.

"Es gab Zeiten, wo durch Spree und Havel Lachse geschwommen sind, die dann aufgestiegen sind zu den Laichgebieten."
Robert Arlinghaus, Fischerei-Management, HU Berlin

Den meisten Einwohnern einer Großstadt ist das vermutlich nicht bewusst. Genau dieser Zusammenhang zwischen Ökosystem, menschlichem Eingriff und Interesse an Fischerei ist es, den Robert Arlinghaus genauer untersucht. Nicht nur der Lachs ist verschwunden, auch zahlreiche andere Fischarten. Sie brauchen Flachwasser-Bereiche oder ausgespülten Kies zum Laichen und als Kinderstube. Sind diese Lebensräume verschwunden, verschwinden auch die Arten, die sich etwa von ihnen ernähren.

"Was heißt eigentlich Stadtleben für die Ökologie der Gewässer, was bedeutet Stadtleben für die Funktionalität von Ökosystemen?"
Robert Arlinghaus, Fischerei-Management, HU Berlin

Parallel zu diesem Rückgang an Wissen über den Fischbestand schwinde auch das Interesse am Angeln und an der Erwerbsfischerei. Da gleichzeitig aber medial viel über Überfischung berichtet werde, sei das Thema Fischerei und Fisch als Lebensmittel wiederum sehr präsent in den Köpfen. Arlinghaus plädiert für ein nachhaltiges Fischerei-Management und, ja, auch für (regionalen) zertifizierten Fisch als Lebensmittel.

Robert Arlinghaus ist Professor für Integratives Fischerei-Management an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Er angelt selber, und er spricht und schreibt auch gern darüber, auf www.ifishman.de. Seinen Vortrag hat er am 10. August 2021 vor dem Roten Rathaus in Berlin gehalten als Kosmos-Lesung im Rahmen von Wissensstadt Berlin 2021. Sein Vortrag hat den Titel "Was hat das Stadtleben mit nachhaltiger Fischerei zu tun?".