Es gibt Menschen, die sich nach einem Nickerchen viel besser fühlen. Im Büro haben sie dazu nicht die Möglichkeit - und gehen deshalb ins Berliner Schlafstudio "Nickerchen".

In Japan ist das Nickerchen zwischendurch, der Power-Nap, verbreitet. Wer in Deutschland seinen Chef fragt, ob man sich mittags mal 15 Minuten aufs Ohr legen kann, bekommt wohl häufig Unverständnis zu hören. Und selbst, wenn das Unternehmen generell der Nickerchenidee aufgeschlossen gegenübersteht, fehlt es häufig an ganz Praktischem: Einem Raum mit Liegen oder Betten, wo so etwas überhaupt möglich ist.

"Manche rufen ins Büro hinein: Ich geh mal 'nen Nickerchen machen! Andere schleichen sich heimlich weg und hoffen, dass es niemand mitbekommt."
Irina Ivachkovets, Betreiber des Schlafstudios "Nickerchen"

Irina Ivachkovets hat das Bedürfnis von vor allem Geschäfts- und Büroleuten erkannt und in Berlin "den ersten Schlafladen" eröffnet, wie sie sagt. Ihr Businessmodell: Auf insgesamt acht Betten können Kunden eine gewisse Zeit buchen, um sich auszuruhen, 20 Minuten oder 30 Minuten werden gerne genommen. Für acht Euro erhalten sie diese Schlafenszeit und eine Tasse Tee.

Irinas Laden liegt inmitten von Bürogebäuden. So kommen auch in der Regel Menschen zu ihr, die sich in ihrer Mittags- oder Nachmittagspause ausruhen wollen und in ihrem Unternehmen keine Möglichkeit dazu haben. Auch Touristen würden ihr Angebot nutzen, die sich von einem anstrengenden Berlin-Trip erholen wollen.

Aus der Not auf dem Boden geschlafen

"Schlafen heißt bei uns immer noch, man sei leistungsschwach", sagt Irina. In Japan sei das Gegenteil der Fall. Dort heißt es: Wer schläft, ist auch leistungsstark.

Irina war früher Projektleiterin und war viel in der Welt unterwegs. Sie hat sich "aus der Not" heraus auch einfach auf den Boden gelegt, wenn sie sich erschöpft gefühlt hat. Sie konnte danach eindeutig effektiver denken und arbeiten, sagt sie.

Den Einwand "Ich kann so schnell aber gar nicht einschlafen" lässt Irina übrigens nicht gelten. Sie sagt darauf: "Das müssen Sie auch gar nicht. Hinlegen, entspannen, Gedanken fliegen lassen, Muskeln entspannen - das reicht schon." Es sei sogar kontraproduktiv, wenn man in die Tiefschlafphase fällt und sich danach im schlimmsten Fall wie gerädert fühlt.