Oliver Diederichsen ist Tresoröffner von Beruf - ganz offiziell, denn er wird von den Tresor-Besitzern selbst gerufen. Angefangen hat das Ganze als Hobby: Lockpicking heißt das Schlösseröffnen zum Spaß.

Gleich vorneweg: Lockpicker von Format "knacken" keine Schlösser, denn ihr oberstes Ziel ist es, Schlösser zu öffnen, ohne etwas kaputt zu machen. Weil Oliver Diederichsen dafür ein Händchen hat, arbeitet er bundesweit als Spezialist für Tresoröffnungen.

"Dass die Leute mit einem Stethoskop anrücken und den Tresor so aufdrehen, das sind die Hollywood-Öffnungen, das ist nicht die Realität."
Oliver Diederichsen, Spezialist für Tresoröffnungen

Zu seinen Kunden zählen zum Beispiel Firmen. Aber auch Privatleute, die mal ihren Schlüssel verloren oder die Kombination vergessen haben. Typisch auch: Tresore Verstorbener, also Nachlassfälle.

Ziel der Profi-Tresoröffner: Zerstörungsfreies Aufmachen

Sprengstoff, um den Tresor zu öffnen, wie wir das aus Filmen kennen, verwendet für solche Aufträge niemand. Den Tresor abzuhören und so zu öffnen, ist eine reine Fantasievorstellung. Aber auch ohne Dynamit und Superohr: Jeder Safe lässt sich öffnen, sagt Oliver Diederichsen. Es sei nur eine Frage der Zeit. Manchmal geht das spurlos, manchmal bleibt ein kleines Bohrloch zurück. Seltener muss er mit schwerem Gerät anrücken.

Geschult hat er seine Skills in dem Lockpicker-Verein Sportsfreunden der Sperrtechnik Deutschland, von dem es in mehreren Städten Ortsvereine gibt. Interessierte können bei offenen Vereinsabenden einfach reinschnuppern und mal selbst probieren.

Lockpicker und Hacker machen Schwachstellenanalyse

Das ist eine sehr lebhafte Szene, erklärt der Tresoröffner, die auch eng verbandelt ist mit der Hackerszene. Denn beide, Hacker und Lockpicker, machten ja im Grunde das gleiche, nämlich Schwachstellenanalyse – die einen digital bei Software zum Beispiel, die anderen physisch mit richtigen Schlössern.

Als jemand, für den nicht mal Tresorschlösser ein großes Hindernis darstellen, ist Oliver Diederichsen erstaunt, wie wenig Sicherheitsbewusstsein in der Bevölkerung herrscht: "Interessanterweise geben die Leute für alle möglichen Sachen viel Geld aus, aber für die Sicherheit immer relativ wenig", kritisiert er.

"Eine nur zugeschnappte Tür ist kein richtiges Hindernis."
Oliver Diederichsen, Spezialist für Tresoröffnungen

Wenn wir unsere Wohnung sichern wollen, dürfen wir nicht nur den Schließzylinder betrachten, sondern müssen uns die Tür als Gesamtkonzept anschauen, rät er. Seine Tipps:

  • Panzerriegel
  • Zusatzschlösser
  • Aushebelschutz
  • und vor allem: Tür auch wirklich abschließen

In Sachen Fahrradschutz hat der Lockpicker allerdings keine bahnbrechenden Tipps auf Lager – weil Fahrradschlösser einfach kaum ein Hindernis darstellen: "Man kann fast jedes noch so gut getestete Schloss mit einer Akku-Flex in einer Minute durchflexen", warnt er. Bei kleinen Schlössern reiche sogar ein einfacher Seitenschneider. Deshalb: Bikes lieber in den Keller oder anderswo ins Haus packen.