Bewaffnete Nachtstreife in Istanbul

Trillerpfeifen, Pistolen, Handschellen

Arbeitssuchende Männer in Istanbul werden zurzeit von der Stadt angestellt: als bewaffnete Nachtstreife, die die Stadt angeblich sicherer machen soll.

386 Männer hat die Stadt Istanbul bereits eingestellt, weitere 314 sollen noch folgen. Jobtitel: Nachtadler. Der Polizeichef von Istanbul möchte die Wohngebiete mit diesen "Hilfssheriffs", die nachts durch die Straßen patrouillieren, sicherer machen. Dabei sind die schon relativ sicher, berichtet unser Korrespondent Reinhard Baumgarten aus Istanbul.

"Der Polizeichef von Istanbul hat gesagt: Zögert nicht von eurer Waffe Gebrauch zu machen, wenn Gesetze gebrochen werden."
Reinhard Baumgarten, Korrespondent in Istanbul
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Die Männer, die als Nachtadler eingestellt werden, bekommen eine sechsmonatige Kurzausbildung. Dann werden sie in Zweierteams eingesetzt, die von mindestens einem Polizisten begleitet werden. Zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens ziehen sie durch Wohngebiete. Der begleitende Polizist stellt sicher, dass das Team weiß, was es darf und was nicht - und in welchen Situationen es eingreifen sollte.

"Was viele Menschen hier befürchten, vor allem Frauen: dass es in erster Linie gar nicht um die Sicherheit geht, sondern um soziale Kontrolle."
Reinhard Baumgarten, Korrespondent in Istanbul

Von Seiten der Opposition, Frauenverbänden und Menschenrechtlern wird vermutet, dass die Nachtadler eingesetzt werden, um die Menschen, insbesondere Frauen, stärker zu kontrollieren.

Angst vor Überwachungsapparat

Nachtadler waren auch schon in früheren Jahren im Dienst, die Regierungspartei AKP entschied sich 2007 dann dazu, diese Form der Nachtwache wieder abzuschaffen. Damals waren 8.000 Männer als Nachtadler tätig, sie wurden nach der Abschaffung einfach in die Polizei integriert.

Viele Menschen fürchten, dass die Überwachung von Bürgern zunimmt, wenn die Nachtstreife durch die Nachtadler wieder eingeführt wird. 

"In den Taxen wird politisch enorm abgelästert."
Reinhard Baumgarten, Korrespondent in Istanbul

In allen Taxis sind demnächst standardmäßig Sicherheitskameras vorgeschrieben. Korrespondent Reinhard Baumgarten sagt, dass wahrscheinlich mit der nächsten TÜV-Untersuchung alle Taxen mit solch einer Kamera ausgestattet werden müssen. Es gebe kaum einen Ort, an dem in Istanbul mehr geschimpft und gelästert werde, als im Taxi. 

Die Nachtadler sind erst seit wenigen Tagen in Istanbul unterwegs. Noch haben erst wenige Istanbuler Erfahrungen mit ihnen gemacht, und es wird sich noch zeigen müssen, wie sich das neue Sicherheitskonzept auf die Stadt und ihre Bewohner auswirkt.