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Liefs in der Beziehung schon vor der Pandemie nicht gut, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie jetzt noch schlechter läuft. Paartherapeutin Anna Wilitzki gibt Tipps, wie man die Abwärtsspirale einer Beziehungskrise durchbrechen kann.

Seit Corona hat die Paartherapeutin Anna Wilitzki einen noch volleren Terminkalender: "Die Anfragen haben sich schon wirklich erhöht", beschreibt die Psychologin. "Obwohl der größte Unterschied aber nicht unbedingt an der Menge liegt, sondern, wie die Paare in die Praxis kommen."

"Der Stress hat sich in den Beziehungen so erhöht, dass die Paare einfach ausgelaugt in der Praxis sitzen."
Anna Wilitzki, Paartherapeutin

Die Pandemie ist als Krisensituation quasi ein Brandbeschleuniger für Beziehungen, die schon vorher nicht so gut funktioniert haben, erklärt die Psychologin. Zwar hätten sich die Konfliktthemen nicht sonderlich verändert. Doch die Emotionen würden viel stärker ausarten. "Da sitzen jetzt zwei Menschen vor einem, die haben keine Energie mehr dafür, sich vorwärts zu bewegen, oder aufeinander zu."

Auch würde die Beziehung während der Pandemie viel mehr Zeit in unserem Leben einnehmen: "Diese Ablenkung, die wir vorher hatten durch den Alltag, durch unsere Hobbies, oder dass wir uns auch mal mit Freunden getroffen haben – das haben wir jetzt einfach gar nicht mehr", sagt die Therapeutin. Auch durch die nichtvorhandene räumliche Trennung hätten Paare einen viel klareren Blick auf den Zustand und die Qualität der Beziehung.

Wenn die Beziehung am Corona-Stress zerbricht

Es sei zudem sehr schwer herauszufinden, ob die Beziehung kriselt, weil die Pandemie eine Ausnahmesituation ist und wir alle am Rad drehen, oder ob das ein Tiefpunkt ist, der auch auf Vor-Pandemie-Zeiten gründet.

Deshalb sollte man sich darüber bewusst sein, welche Stressfaktoren es gerade im eigenen Leben gibt, empfiehlt die Paartherapeutin. Wenn es um Ängste wie Jobverlust, Uni-Klausuren, oder Ansteckungsgefahr von lieben Menschen geht – "dann muss einem bewusst werden, dass das eher der Stress ist, den wir in die Beziehung mit reinintegrieren, aber dass es nicht unbedingt die Beziehung selbst ist, die uns stresst."

Strategien, um Beziehungen unter Lockdown-Bedingungen zu retten

Paare müssten sich darum bemühen, dass der Alltag sich nicht ständig um die Beziehung dreht, weil Zeiten mit anderen Menschen wegen der Pandemie weggefallen sind, betont Anna Wilitzki. Dabei sollte man versuchen, sich Dinge wie Hobbies oder Freundschaftszeiten zurückzuholen, sei es durch Online-Kochkurse oder Video-Spieleabende.

Auch eine klare Kommunikation bei Konflikten sei bedeutend. "Dann ist es wichtig, rauszufinden: Wenn wir uns über etwas streiten, was liegt dahinter? Warum bin ich gerade so frustriert, welches Bedürfnis wird gerade nicht gesehen oder anerkannt?", sagt die Paartherapeutin. Diese Gefühle müssten gemeinsam besprochen werden.

Bewusstsein, dass die Pandemie eine Extremsituation ist

Anna Wilitzki betont, dass Konflikte während der Pandemie aber nicht ein Anzeichen dafür sind, dass die Beziehung nicht funktioniert: "Ich würde gerne allen Paaren auf den Weg geben: Das ist gerade eine Extremsituation." Weil wir gerade so viel Stress durchleben, könne auch die Beziehung nicht normal weiterlaufen. "Man kann eher sagen: Wir versuchen jetzt die Zeit gut zu überstehen, von der ganz viel zu lernen – und dann wird unsere Beziehung sogar noch kraftvoller sein", rät die Therapeutin. Und für die Partnerschaft lernen könne man auch durch einen Konflikt.