Der Naturschutzbund Deutschland schätzt, dass pro Tag weltweit 150 Arten aussterben. Forschenden empfehlen, dass jährlich maximal nur 20 Tierarten aussterben sollten, um die bestehende Artenvielfalt weitestgehend zu erhalten.

Für den Klimawandel gilt: Wenn wir es schaffen, die Erderwärmung bei einem Wert von unter zwei Grad Celsius – im Vergleich zur vorindustriellen Zeit – zu halten, dann hätten wir unsere Klimaziele erreicht. Steigen die Werte über zwei Grad Celsius, würde das bedeuten, dass unumkehrbare Folgen nicht mehr abzuwenden sind.

Solche Richtwerte gibt es für den Artenschutz noch nicht. Forschende, unter anderem vom Karlsruher Institut für Technologie, empfehlen in einem Artikel im Fachmagazin Science, sich auch für den Erhalt von Arten solche Ziele zu setzen. Das beinhaltet alle Pilz-, Pflanzen-, wirbellose Tierarten und Wirbeltiere an Land, in der Luft und im Wasser.

"Um Arten zu schützen, musst du deren Ökosystem erhalten. Also allein der Schutz einer Art hätte weitreichende Auswirkungen."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Insgesamt zwei Millionen dokumentierte Arten gibt es. In der Neuzeit ist die Aussterbe-Rate durch den Einfluss des Menschen stark angestiegen. Inzwischen sterben pro Tag 150 Arten aus, schätzt der Naturschutzbund Deutschland. Mit einem Modell haben Forschende errechnet, wie viele Arten in prähistorischen Zeiten ausgestorben sind. Und diese Werte mit den Zahlen verglichen, die durch menschliche Einwirkung angestiegen sind.

Um die Artenvielfalt zu erhalten, haben die Wissenschaftler daraus abgeleitet, dass pro eine Million Arten nur zehn Arten pro Jahr aussterben sollten. Das bedeutet, das bei insgesamt zwei Millionen dokumentierter Arten auf der Erde, pro Jahr insgesamt nur 20 Arten aussterben sollten. Dieses Ziel bezeichnen die Forschenden zwar selbst als ambitioniert, aber sie halten es für realistisch.

Schutz von Arten hätte weitreichende Folgen

Bisher gab es für die Artenvielfalt keine Zielvorgaben. 2010 wurden in der japanischen Präfektur Aichie die "Aichie-Ziele" beschlossen. Mithilfe dieser Vorgaben sollte die Uno-Konvention zur Biodiversität umgesetzt werden. Die 20 Punkte, die 2010 formuliert wurden, sollten bis 2020 erreicht werden. Nur bei vier Zielen wurden Fortschritte gemacht. Zwölf der 20 Ziele, bei denen es ganz konkret um globalen Artenschutz geht, konnten nicht nur nicht umgesetzt werden, sondern es gab sogar eine negative Entwicklung.

"Beim Thema Klimaerwärmung funktioniert das gut. Das Zwei-Grad-Ziel ist von einer breiten Masse verstanden worden."
Tina Howard, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ähnliche Strategie wie beim Klimawandel

Um die Ziele zu erreichen schlagen die Forschenden eine ähnliche Strategie vor, wie beim Klimawandel: Jedes Land formuliert nationale Ziele. Ein globales Gremium kontrolliert über einen festgelegten Zeitraum hinweg, ob und wie diese Ziele eingehalten und erreicht werden. Deutschland würde also eigene Ziele festlegen.

Es reicht allerdings nicht nur sich auf eigene Vorgaben zu fokussieren, weil auch das Artensterben in anderen Ländern der Welt mit unserem Konsumverhalten zusammenhängen kann. Ein Beispiel dafür ist, dass Tiere und Pflanzen aussterben, weil in Indonesien und Malaysia Regenwälder abgeholzt werden. Das hängt aber damit zusammen, dass Platz für Palmöl-Plantage geschaffen werden soll. Und das liegt wiederum daran, dass Palmöl weltweit stark nachgefragt wird.

Um dieses Problem zu lösen empfehlen die Forschenden einen "Biodiversity Action Tracker", eine Art Messinstrument, das uns Informationen über die Entwicklung der Artenvielfalt auch in anderen Teilen der Welt liefern kann.